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Buchrezension: Thyssen im 20. Jahrhundert – Band 4: ‘Die Thyssens. Familie und Vermögen’, von Simone Derix, erschienen im Schöningh Verlag, Paderborn, 2016 (scroll down for english version)

Dieses Buch zu rezensieren ist für uns ein echtes Ärgernis, da so viele Stränge und Einzelheiten darin unserem bahn-brechenden Werk über die Thyssens entlehnt sind, welches ein Jahrzehnt zuvor erschien, Derix uns nichtsdestotrotz keine einzige Nennung gewährt. Es ist erstaunlich, dass sie nicht genug berufsethisches Gefühl aufbringt, unseren Beitrag zur Thyssenschen Geschichtsschreibung an zu erkennen; vor allem wo sie doch auf einer Konferenz 2009 ausdrücklich erklärt haben soll, dass nicht-akademische Betrachtungsweisen, denen gegenüber die Fachwelt häufig Unbehagen empfände (und Berührungsängste mit der Angst vor Statusverlust im Kampf um Deutungshoheit), einen immer größeren Raum einnehmen.

Frau Derix selbst ist natürlich nicht vom ängstlichen Typ, auch wenn sie ziemlich scheinheilig wirkt. Sie scheint vorauseilenden Gehorsam an den Tag zu legen und voller Hingabe, die Erwartungen ihrer vermutlich parteiischen Zahlmeister in Gestalt der Fritz Thyssen Stiftung erfüllen zu wollen. Leider ist sie offensichtlich auch nicht die vorausschauendste Person, da sie z.B. schreibt, Heinrich Lübke, Direktor der August Thyssen Bank (er starb 1962) sei später Bundespräsident Deutschlands gewesen (jener Heinrich Lübke war in dieser Position bis 1969).

Aber die intellektuellen Unzulänglichkeiten der Simone Derix sind weitaus gravierender als es simple Sachfehler wären, die ohnehin mindestens einem ihrer zwei langjährigen Mitarbeiter, drei Projektleiter, vier akademischen Mentoren und sechs wissenschaftlichen Mitarbeiter hätten auffallen müssen. Sie versucht uns allen Ernstes zu erzählen, dass die Erforschung der Lebenswelten von reichen Personen ein vollkommen neuer Zweig der akademischen Forschung sei, und dessen illustrer Pionier sie selbst. Weiss sie denn nicht, dass Geschichtsschreibung klassischerweise ausschließlich von Reichen, über Reiche und für Reiche getätigt wurde? Hat sie bereits vergessen, dass selbst einfachstes Lesen und Schreiben bis vor hundert fünfzig Jahren Privilegien der wenigen Mitglieder der oberen Schichten waren?

Gleichzeitig erscheint sie, im Gegensatz zu uns, keine persönlichen Erfahrungen mit außergewöhnlich reichen Menschen erworben zu haben. Ihre Förderung, während eines früheren Vorhabens, durch die finanzstarke Gerda Henkel Stiftung war vermutlich gleichermaßen auf Armeslänge. Reiche Leute verkehren nur mit reichen Leuten, und es gibt keinerlei Anzeichen dafür, dass Derix sich irgendwie für ernst zu nehmende Kommentare über deren Lebensstil qualifiziert hätte, es sei denn, sie wurde für ihr vorliegendes Werk pro Wort bezahlt…

Was allerdings tatsächlich neu ist, ist dass der weg gefegte Feudalismus durch etablierte demokratische Gesellschaften ersetzt wurde, in denen Wissen allgemein zugänglich ist und die Gleichheit vor dem Gesetz Priorität hat. Ja, Derix hat Recht, wenn sie sagt, dass es schwierig ist, die Archive von Ultra-Reichen einzusehen. Diese wollen immer nur glorreiche Dinge über sich verbreiten und die Realitäten hinter ihrem überwältigenden Reichtum verbergen. Aber es ist grotesk so zu tun, als hätten die Thyssens jetzt auf einmal beschlossen, sich in Ehrlichkeit zu üben und offiziellen Historikern großzügig zu erlauben, ihre privatesten Dokumente zu sichten. Der einzige Grund, weshalb Simone Derix nunmehr einige kontroverse Fakten über die Thyssens publiziert, ist, dass wir diese bereits publiziert haben. Der Unterschied liegt darin, dass sie unsere Belege mit ausgesprochen positiven Termini neu umspannt, um dem allgemeinen Programm der Schadensbegrenzung dieser Serie gerecht zu werden.

Derix scheint zu glauben, auf diese Weise auf zwei Hochzeiten tanzen zu können; ein Balanceakt der dadurch drastisch erleichtert wird, dass sie bereits zu Anfang ihrer Studie jegliche Erwägungen bezüglich Ethik und Moral kategorisch ausschließt. Die Tatsache, dass die Thyssens ihre deutschen Firmen (inklusive derer, die Waffen produzierten und Zwangsarbeiter verwendeten) hinter internationalen Strohmännern tarnten (mit dem zusätzlichen Bonus der groß angelegten Umgehung deutscher Steuern) wird von Derix als irreführende Beschreibung dargestellt, welche “eine staatliche Perspektive impliziert” und angewandt wird, um “eine gewünschte Ordnung zu etablieren, nicht eine bereits gegebene Ordnung abzubilden”. Als ob “der Staat” eine Art hinterhältige Einheit sei, die bekämpft werden müsse, und nicht das gemeinschaftliche Unterstützungswesen für alle gleichgestellten, rechtstreuen Bürger, so wie wir Demokraten ihn verstehen.

Dies ist nur eine von vielen Äußerungen, die zu zeigen scheinen, wie sehr die möglicherweise als autoritär zu beschreibende Einstellung ihrer Sponsoren auf Derix abgefärbt hat. Die Tatsache, dass Akademiker, die bei öffentlich geförderten Universitäten angestellt sind, in solch einer Weise von den eigennützigen Institutionen Fritz Thyssen Stiftung, Stiftung zur Industriegeschichte Thyssen und ThyssenKrupp Konzern Archiv als Public Relations Vermittler missbraucht werden, ist äusserst fragwürdig; v.a. wenn man angeblich akademische Maßstäbe anlegt. Und vor allem wenn von diesen behauptet wird, sie seien unabhängig.

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In der Welt von Simone Derix werden die Thyssens immer noch (!) v.a. als „Opfer“, „(Steuer-)flüchtlinge“, als „enteignet“ und „entrechnet“ beschrieben; selbst wenn sie ein oder zwei Mal über 500 Seiten hinweg kurz zugeben muss, dass es ihnen in der “langfristigen Perspektive (…) gelungen zu sein (scheint), Vermögen stets zu sichern und für sich verfügbar halten zu können”.

Was ihre Beziehung zum Nationalsozialismus angeht, so nennt sie sie damit „verwoben“, „verquickt“, sagt, dass sie in ihm „präsent“ waren, in ihm „lebten“. Mit zwei oder drei Ausnahmen werden die Thyssens nie richtiger Weise als handelnde, profitierende, u.v.a. zum Bestand des Regimes beitragende Akteure beschrieben. Stattdessen wird die Schuld wiederum, genau wie in Band 2 („Zwangsarbeit bei Thyssen“), weitgehendst den Managern zugeschrieben. Dies ist für die Thyssens sehr praktisch, da die Familien dieser Männer nicht die Mittel haben, gleichwertige Gegendarstellungen zu publizieren, um ihre Lieben zu rehabilitieren.

Wenn Simone Derix jedoch davon spricht, dass „aus einer nationalstaatlichen Perspektive (…) diese Männer als Ganoven erscheinen (mussten)“, dann überschreitet sie bei Weitem die Grenzen der fairen Kommentierung. Die Ungeheuerlichkeit ihrer Behauptung verschlimmert sich dadurch, dass sie es unterlässt, Beweise beizufügen, so wie in unserem Buch geschehen, die zeigen, dass alliierte Ermittler klar aussprachen, dass sie die Thyssens selbst, nicht ihre Mitarbeiter, für die wahren Täter und Verdunkler hielten.

Und dennoch gibt Derix in ihrem Streben nach Thyssen Glanz vor, deutsche Größe, Ehre und Vaterlandsliebe zu beschwören. Immer wieder und auf bombastische Weise behauptet sie z.B., dass die Grablege / Gruft in Schloss Landsberg bei Mülheim-Kettwig „zukünftig die Präsenz der Familie und ihre Verbundenheit mit dem Ruhrgebiet garantieren (würde)“, und dass es im Falle der Thyssens einen „(unauflösbaren) (…) Zusammenhang von Familie, Unternehmen, Region und Konfession“ gibt. Dabei stuft sie die Thyssens nicht, wie es richtig wäre, im Rahmen der Industriellen-Familien Krupp, Quandt, Siemens und Bosch ein, sondern zieht es vor, ihren Namen übertreibend mit denen der Herrscherhäuser Bismarck, Hohenzollern, Thurn und Taxis und Wittelsbach zu umgeben.

In Wirklichkeit wählten viele der Thyssen-Erben eine Abkehr von Deutschland und ein transnationales Leben im Ausland. Ihr Mausoleum ist noch nicht einmal öffentlich frei zugänglich. Im Gegensatz zu dem was Derix andeutet, ist der starke, symbolische Name, der so eine Anhänglichkeit in Deutschland hervorruft, einzig der der Aktiengesellschaft Thyssen (jetzt ThyssenKrupp AG), als einem der Hauptarbeitgeber im Land. Dies hat überhaupt nichts mit Respekt für die Abkömmlinge des herausragenden August Thyssen zu tun, die aufgrund ihrer gewählten Abwesenheit in ihrer Mehrzahl in Deutschland absolut unbekannt sind.

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In diesem Zusammenhang ist es bezeichnend, dass Simone Derix die Thyssens als „altreich“ sowie „arbeitende Reiche“ kategorisiert. Obwohl Friedrich Thyssen Anfang des 19. Jahrhunderts bereits ein Bankier war, so waren es doch erst seine Söhne August (75% Anteil) und Josef (25% Anteil), die ab 1871 (und mit den Profiten aus zwei Weltkriegen) durch ihre unermüdliche Arbeit, und die ihrer Arbeiter und Angestellten, das enorme Thyssen-Vermögen schufen. Ihresgleichen ward in den nachfolgenden Thyssen-Generationen nie wieder gesehen.

So wurden die Thyssens ultravermögend und spalteten sich komplett von der etablierten adelig-bürgerlischen Oberschicht ab. Sie können wirklich nicht als „altreich“ bezeichnet werden, und ihre Erben auch nicht, auch wenn diese alles in ihrer Macht taten, um sich die äußere Aufmachung der Aristokratie anzueignen. (Hier stellt sich die dringende Frage, wieso Band 6 der Serie ausgerechnet „Fritz und Heinrich Thyssen – Zwei Bürgerleben in der Öffentlichkeit betitelt wurde). Dies beinhaltete die Einheiratung in den ungarischen, zunehmend falschen Adel, wonach, so muss es sogar Derix zugeben, mit dem Anbruch der 1920er Jahre jeder fünfte Ungar behauptete, der Aristokratie des Landes anzugehören.

Die Linie der Bornemiszas, in die Heinrich einheiratete z.B. waren eben nicht das alte „Herrschergeschlecht“ der Bornemiszas, auch wenn Derix das immer noch so wiederholt. Die Thyssen-Bornemiszas hatten Verbindung zum niederländischen Königshaus, nicht weil Heinrich’s Frau Margit bei Hofe selbsternannt „besondere Beachtung“ fand, sondern weil Heinrich in jenem Land wichtige Geschäftsinteressen vertrat. Dadurch wurde Heinrich Thyssen zum Bankier für das niederländische Königshaus und ein persönlicher Bekannter seines Namensvettern Heinrich, des Prinzgemahls der Königin Wilhelmina.

Außer für solche wirtschaftlichen Beziehungen wollten weder der deutsche, noch der englische oder irgend ein anderer europäischer Adel in Wirklichkeit diese Aufsteiger in ihren engeren Reihen willkommen heissen (Religion spielte natürlich auch eine Rolle, denn die Thyssens waren und sind katholisch). Das heisst, bevor nicht gesellschaftliche Konventionen mit Beginn der 1930er Jahre sich weit genug geändert hatten und ihre Töchter in die tatsächlich alten ungarischen Dynastien der Batthyanys und Zichys einheiraten konnten.

Aber bis dahin ließen sich die Brüder, basierend auf ihrem hervorragenden Reichtum, nicht davon abhalten, sich viele der erhabenen Sphären selbst zu erschließen. Laut Derix verbrachte Fritz Thyssen Anfang des 20. Jahrhunderts sogar Zeit damit, Pferde aus England zu importieren, die englische Fuchsjagd in Deutschland einzuführen und sich eine Hundemeute zur Hetzjagd auf Hirsche zuzulegen. Weiterhin ließ er anscheinend den Trakt für Dienstpersonal seines neu gebauten Hauses in Mülheim niedriger halten, um die „Differenz und Distanz zwischen Herrschaft und Personal“ zu signalisieren.

Dies sind tatsächlich erstaunliche, neue Offenbarungen, die zeigen, dass das traditionelle Bild, welches die Thyssen Organisation bisher herausgab, nämlich das des „Bad Cop“ Fritz Thyssen (deutscher Industrieller, „temporärer“ Faschist), „Good Cop“ Heinrich Thyssen-Bornemisza (Ungar, „Adeliger“) sogar noch irreführender ist, als wir bisher angenommen hatten.

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Wirklich bedauernswert sind die Versuche von Derix, Fritz Thyssen als gläubigen Peacenik und Mitglied einer gemäßigten Partei darzustellen. Und genauso sind es ihre lang anhaltenden Verrenkungen, Heinrich Thyssen-Bornemisza als perfekt assimilierten, ungarischen Gutsherren zu portraitieren. Sie berichtet allerdings, dass Heinrich’s Frau erwähnt hatte, dass er kein Wort der Sprache beherrschte; was allerdings Felix de Taillez in Band 6 nicht davon abhält, zu behaupten, er habe Ungarisch gesprochen. „Wenn Sie sie nicht schlagen können, dann müssen Sie sie verwirren“ war eines von Heini Thyssen’s Mottos. Es ist offensichtlich auch das Motto dieser Thyssen-finanzierten Akademiker geworden.

Währenddessen ist das Buch von Derix das erste von der Thyssen Organisation unterstützte Werk, das bestätigt, dass Heinrich Thyssen-Bornemisza eben doch seine deutsche (damals preussische) Staatsangehörigkeit beibehielt. Derix traut sich sogar soweit hervor, zu sagen, dass die ungarische Staatsangehörigkeit „von Heinrich möglicherweise aus funktionalen Gründen gewählt“ worden war. Doch diese Perlen der Aufrichtigkeit werden unter den Springbrunnen ihrer überschwänglichen Propaganda rasch erstickt, die darauf abzielt, die Thyssens der zweiten Generation besser dastehen zu lassen, als sie waren. Dies erstreckt sich auch darauf, die Rolle des August Thyssen Junior von der des schwarzen Schafs der Familie auf die des engagierten Unternehmers um zu schreiben.

Andererseits unterlässt es die Autorin immer noch, irgendwelche unternehmerischen Details zum Leben des weitaus wichtigeren Heinrich Thyssen in England um die Jahrhundertwende zu liefern (Stichworte: Banking und Diplomatie). Wie genau machte die Familie die enge Bekanntschaft von Menschen wie Henry Mowbray Howard (britischer Verbindungsoffizier beim französischen Marineministerium) oder Guy L’Estrange Ewen (Sonderbotschafter der Britischen Monarchen)? Eine große Chance zur echten Transparenz wurde hier vergeudet.

Derix unterlässt es weiterhin, das Augenmerk darauf zu richten, dass die Familienzweige August Thyssen und Josef Thyssen sich in sehr unterschiedliche Richtungen entwickelten. August’s Erben nützten Deutschland aus, verließen und verrieten es und waren ausgesprochen „neureich“, außer Heinrich’s Sohn Heini Thyssen-Bornemisza und dessen Sohn Georg Thyssen, die sich tatsächlich mit dem Management ihrer Firmen befassten.

Im Unterschied dazu verblieben Josef Thyssen’s Erben Hans Thyssen und Julius Thyssen in Deutschland (bzw. waren bereit dorthin aus der Schweiz zurück zu kehren, als in den 1930er Jahren Devisenbeschränkungen erlassen wurden), zahlten ihre Steuern, arbeiteten im Thyssen Konzern, bevor sie in den 1940er Jahren ihre Anteile verkauften, ihre Resourcen bündelten und berufliche Karrieren einschlugen. Nur Erben Josef Thyssen’s sind auf der Liste der 1001 reichsten Deutschen des Manager Magazins aufgeführt, aber aus unerklärten Gründen lässt Derix diese tatsächlich „arbeitenden reichen“ Thyssens in ihrer Studie weitgehenst unerwähnt.

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Glücklicherweise konzentriert Simone Derix nicht all ihre Kräfte auf schöpferische Erzählungen und Plagiarisierung, sondern bietet auch wenigstens einige politökonomische Fakten an. So legt sie offen, dass Heinrich Thyssen-Bornemisza bis 1933 ein Mitglied des Aufsichtsrats der Vereinigten Stahlwerke in Düsseldorf war, also bis nach Adolf Hitler’s Machtergreifung. Dies, in Kombination mit ihrer Aussage, dass sich Heinrich „bereits 1927/8 (von Scheveningen in den Niederlanden) dauerhaft nach Berlin orientiert zu haben (scheint)“ widerlegt eine der größten Thyssenschen Dienlichkeitslegenden, nämlich die, Heinrich Thyssen-Bornemisza habe ab 1932 seinen Hauptwohnsitz in der neutralen Schweiz gehabt (i.e. praktischerweise vor Hitler’s Machtergreifung); nachdem er „Deutschland noch rechtzeitig verlassen hatte“; obschon dies Derix nicht davon abhält, auch diese Täuschung danach gleichfalls noch zu wiederholen (- „Wenn Sie sie nicht schlagen können, dann müssen Sie sie verwirren“ -).

Tatsache ist, dass Heinrich Thyssen, obwohl er 1932 die Villa Favorita in Lugano (Schweiz) kaufte, weiterhin den Großteil seiner Zeit in verschiedenen Hotels verbrachte, v.a. aber in einer permanenten Hotelsuite in Berlin und ausserdem einen Wohnsitz in Holland beibehielt (wo Heini Thyssen fast allein, bis auf das Personal, aufwuchs). („Sein Tessiner Anwalt Roberto van Aken musste ihn 1936 daran erinnern, dass er immer noch nicht seine permanente Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz beantragt hatte. Erst im November 1937 wurden Heinrich Thyssen und seine Frau mit je einem Ausländerausweis der Schweiz ausgestattet“ – Die Thyssen-Dynastie, Seite 149).

Derix justiert auch den alten Thyssen Mythos neu, wonach Fritz Thyssen und Heinrich Thyssen-Bornemisza geschäftlich kurz nach ihrer Erbschaft von ihrem Vater, der 1926 starb, geschäftlich getrennte Wege gegangen seien. Wir haben stets gesagt, dass die beiden Brüder bis tief in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts eng miteinander verbunden blieben. Und simsalabim plötzlich gibt Derix nunmehr an: „Bisher wird davon ausgegangen, dass die Separierung des Vermögens von Heinrich Thyssen-Bornemisza und Fritz Thyssen 1936 abgeschlossen war“. Sie fügt hinzu: „Trotz aller Versuche, die Anteile von Fritz Thyssen und Heinrich Thyssen-Bornemisza voneinander zu separieren, blieben die Vermögen von Fritz und Heinrich (vertraglich geregelt) bis in die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg miteinander verschränkt“.

Aber es ist ihr folgender Satz, der am ärgerlichsten ist: „Außenstehende konnten diesen Zusammenhang offenbar nur schwer erkennen“. In Wahrheit war die Situation deshalb so undurchsichtig, weil die Thyssens und ihre Organisation erhebliche Anstrengungen unternahmen und alles ihnen Mögliche taten, um die Dinge zu verschleiern, v.a. da dies bedeutete, dass sie die gemeinsame Unterstützung des Naziregimes durch die Thyssen Brüder tarnen konnten.

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Unter der großen Anzahl der Berater der Thyssens stellt die Autorin insbesondere den Holländer Hendrik J Kouwenhoven vor, und zwar als die Hauptverbindung zwischen den beiden Brüdern Fritz und Heinrich. „Er tat Chancen auf und erdachte Konstruktionen“, so schreibt sie. Kouwenhoven arbeitete seit 1914 bei der Handels en Transport Maatschappij Vulcaan der Thyssens und danach bei ihrer Bank voor Handel en Scheepvaart (BVHS) in Rotterdam seit ihrer offiziellen Gründung 1918 bis zu seiner Entlassung durch Heinrich Thyssen-Bornemisza im zweiten Weltkrieg.

Vermögensverwaltungsgesellschaft und Trust Department der BVHS war das Rotterdamsch Trustees Kantoor (RTK), welches Derix als „Lagerstätte für das Finanzkapital der (Thyssen) Unternehmen wie für die privaten Gelder (der Thyssens)“ beschreibt. Sie sagt nicht, in welchem Jahr diese Gesellschaft gegründet wurde. Laut Derix wurden „das Gebäude der Vermögensverwaltung, der Heinrich Thyssen-Bornemisza alle wichtigen Papiere anvertraut hatte (…), am 14. Mai 1940 bei einem Luftangriff auf Rotterdam (…) vollständig zerstört“. Für uns klingt das wie eine höchst fragwürdige Information.

Über die Akten der BVHS sagt Derix knapp: „Von der BVHS ist kein geschlossener Quellenbestand erhalten“. Wie praktisch, insbesondere da niemand außerhalb der Thyssen Organisation jemals in der Lage sein wird, diese Aussage wahrhaft unabhängig zu überprüfen; zumindest nicht bevor der Schutzmantel des Professor Manfred Rasch, Leiter des ThyssenKrupp Konzern Archivs, sich in den Ruhestand verabschiedet.

Derix spielt auf die „frühe Internationalisierung des (Thyssen) Konzerns“ ab 1900 an, und rechnet ihre Kenntnisse über Rohstoffankäufe und den „Aufbau eines eigenen Handels- und Transportnetzes“ Jörg Lesczenski zu, der zwei Jahre nach uns publizierte, und dessen Buch ebenfalls, so wie das von Derix, durch die Fritz Thyssen Stiftung unterstützt wurde. Aber sie unterlässt Querverweise auf die ersten Steueroasen (inklusive der der Niederlande), die sich zum Ende des 19. Jahrhunderts hin entwickelten und überlässt diesen Bereich bequem zukünftiger Forschung, die „weitaus intensiver“ ausfallen müsse „als dies bislang vorliegt“.

Derix nennt die Transportkontor Vulkan GmbH Duisburg-Hamborn von 1906 mit ihrer Filiale in Rotterdam (siehe oben) und die Deutsch-Überseeische Handelsgesellschaft der Thyssenschen Werke mbH in Buenos Aires von 1913 (übrigens: bis zum heutigen Tage ist die ThyssenKrupp AG im großen Stil im Rohmaterialhandel aktiv). Sie schreibt auch, dass die US-Amerikanischen Kredite für den Thyssen Konzern 1919 via der Vulcaan Coal Company begannen (verschweigt jedoch, dass diese Firma in London angesiedelt war).

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Nach Angaben von Simone Derix begann August Thyssen 1919 damit, seine Anteile an den Thyssen Unternehmen an seine Söhne Fritz und Heinrich zu übertragen, zunächst die von Thyssen & Co. und ab 1921 die der August Thyssen Hütte. Sie fügt hinzu, dass „bestehende Thyssen Einrichtungen im Ausland für Tausch und Umschichtung von Beteiligungen“ genutzt wurden.

Ab 1920 kaufte Fritz Thyssen in Argentinien Land. Die Thyssensche Union Banking Corporation (UBC), 1924 im Harriman Building am Broadway, New York, gegründet, wird währenddessen allein in der Sprache der „transnationalen Dimension des Thyssenschen Finanzgeflechts“ beschrieben und als „die American branch“ der Bank voor Handel en Scheepvaart.

Wir hatten bereits in unserem Buch beschrieben, wie Heinrich Thyssen-Bornemisza, über Hendrik Kouwenhoven, in der Schweiz 1926 die Kaszony Stiftung institutierte, um seine ererbten Firmenanteile zu deponieren; und 1931 die Stiftung Sammlung Schloss Rohoncz, als Depot für seine Kunstgegenstände, die er ab 1928 als leicht bewegliche Kapitalanlagen kaufte. Jetzt schreibt Derix, dass letztere ebenfalls bereits 1926 gegründet worden sei. Dies ist estaunlich, da es bedeutet, dass dieses Finanzinstrument ganze zwei Jahre bevor Heinrich Thyssen das erste Gemälde kaufte, gegründet wurde, das seinen Weg in die Sammlung fand, die er „Sammlung Schloss Rohoncz“ nannte (obwohl keines der Bilder jemals auch nur in die Nähe seines ungarischen, dann österreichischen Schlosses fand, in dem er ab 1919 nicht mehr lebte).

Die Terminierung der Bildung dieses Offshore-Instruments zeigt einmal mehr wie gekünstelt Heinrich Thyssen’s Neuerfindung als „Kunstkenner und Sammler“ tatsächlich war.

Derix gibt sogar freimütig zu, dass die Thyssenschen Familienstiftungen als „Gegenspieler (…) von Staat und Regierung auftraten“. Jedoch versäumt sie es, genauso wie Johannes Gramlich in Band 3 („Die Thyssens als Kunstsammler“) die Logistik des Transfers von ca. 500 Bildern durch Heinrich Thyssen-Bornemisza in die Schweiz in den 1930er Jahren zu beschreiben, inklusive der Tatsache, dass dies eine Methode der großangelegten Kapitalflucht aus Deutschland heraus darstellte. Die assoziierten Themen der Steuerflucht und Steuerumgehung bleiben vollständig außerhalb ihres akademischen Radars, und sie lässt damit z.B. unsere dokumentierten Belege aus.

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In einer weiteren, wagemutigen Um-Schreibung der offiziellen Thyssen Historie erklärt die Autorin, dass die Thyssen Brüder in ihren Finanzangelegenheiten oft parallel agierten. Und so kam es, dass die Pelzer Stiftung und Faminta AG von Kouwenhoven für Fritz Thyssen’s Seite in der Schweiz gegründet wurden. (Derix bleibt vage bestreffs genauer Daten. Wir haben veröffentlicht: 1929 für Faminta AG und die späten 1930er Jahre für die Pelzer Stiftung).

Derix weist darauf hin, dass diese beiden Finanzinstrumente auch geheime Transaktionen zwischen den zwei Thyssen Brüdern erlaubten. Vage bleibend fügt sie hinzu, sie hätten auch „das Auslandsvermögen der August Thyssen Hütte vor einer möglichen Beschlagnahmung durch deutsche Behörden (gesichert)“. Dabei verschweigt sie jegliche Referenz betreffs Zeitskala, und demnach wann genau solch eine Beschlagnahmung im Raum getanden haben soll (gibt sie hier etwa zu verstehen, dass diese bereits vor Fritz Thyssen’s Flucht aus Deutschland im September 1939, also im Zeiraum 1929-1939 zu erwarten gewesen sein könnte?).

Gleichzeitig etablierten Fritz und Amelie Thyssen einen festen Standort in den 1920er Jahren im Süden des deutschen Reiches, und zwar in Bayern (weit weg vom Thyssenschen Kerngebiet der Ruhr), welchen Derix als „bisher von der Forschung wenig beachtet“ darstellt. Natürlich war dieser monarchistischste aller deutschen Staaten nicht nur nah an der Schweiz, sondern er war zu jener Zeit auch die Wiege der Nazi Bewegung. Auch Adolf Hitler zog München Berlin vor.

Alle Finanzinstrumente der Familie wurden währenddessen weiter durch die Rotterdamsch Trustees Kantoor in den Niederlanden verwaltet. Diese „neu geschaffenen Banken, Gesellschaften, Holdings und Stiftungen wurden über Beteiligungen mit den produzierenden Thyssenschen Unternehmen verknüpft“, so Derix weiter.

Diese Unternehmen usw. waren aber ebenso mit der aufsteigenden Nazi Bewegung verknüpft, so z.B. durch einen Kredit von ca. 350,000 Reichsmark, den ihre Bank voor Handel en Scheepvaart ca. 1930 der NSDAP gewährte, zu einer Zeit, als sowohl Fritz Thyssen als auch Heinrich Thyssen-Bornemisza beherrschende Anteile an der BVHS hatten.

Laut Derix war es im Jahr 1930, dass Heinrich Thyssen anfing, seine Anteile an den Vereinigten Stahlwerken an Fritz zu verkaufen, während Fritz seine holländischen Anteile an Heinrich verkaufte. In der Nachfolge war Heinrich Thyssen dann allein in Kontrolle der Bank voor Handel en Scheepvaart, und zwar von 1936 an.

Insbesondere war es eine Thyssen Firma mit Namen Holland-American Investment Corporation (HAIC), die Fritz Thyssen’s Kapitalflucht aus Deutschland ermöglichte. Laut Derix erwarb die Pelzer Stiftung „im Herbst 1933 von Fritz Aktien der HAIC und damit seine darin zusammengefassten niederländischen Beteiligungen. Dieses Geschäft geschah mit Zustimmung der deutschen Behörden, die von der HAIC wussten. Aber 1940 sahen die Deutschen, dass eine erhebliche Diskrepanz bestand zwischen 1,5 Millionen Reichsmark der niederländischen Beteiligungen in HAIC wie angegeben, und dem tatsächlichen Wert von 100 bis 130 Millionen RM.“

Dies ist überwältigend, da der heutige Wert dieser Summe bei vielen hundert Millionen Euros liegt!

Wenn man bedenkt, dass Heinrich’s Frau angab, dass er ca. 200 Millionen Schweizer Franken seines Vermögens in neutrale Länder gebracht hatte, dann würde dies bedeuten, dass die Thyssen Brüder es möglicherweise geschafft hatten, zusammen einen Gegenwert in Bar aus Deutschland abzuziehen, der fast dem gesamten Geldwert der Thyssen Unternehmen entsprach! Dies aber ist keine Schlussfolgerung, die Simone Derix zieht.

Man beginnt, sich zu wundern, was eigentlich zur Beschlagnahmung übrig gewesen sein soll, nachdem Fritz Thyssen bei Kriegsbeginn 1939 Deutschland verließ. Derix räumt ein, dass seine Flucht nicht zuletzt deshalb stattfand, weil er seine eigennützigen Finanztransaktionen lieber von der sicheren Schweiz aus, mit Hilfe des Heinrich Blass bei der Schweizerischen Kreditanstalt in Zurich, vervollständigen wollte.

Obwohl wir einige Hinweise auf Summen herausarbeiten konnten, so hatten wir doch keine Ahnung, dass das Gesamtausmaß der Kapitalflucht durch die Gebrüder Thyssen so dramatisch war. Dass Simone Derix diesen Punkt im Namen der Thyssen Organisation anspricht ist beachtenswert; selbst wenn sie es unterlässt, die angemessenen Schlussfolgerungen zu ziehen – möglicherweise da diese ihrem „Blue-Sky“ Auftrag zuwiderlaufen würden.

Fürwahr und in den Worten des weitaus erfahreneren Harald Wixforth steht für diese „Großkapitalist(en) (…) tatsächlich (…) das Profitinteresse des Unternehmens immer über dem Volkswohl“.

Es versteht sich von selbst, dass wir die Bände von Harald Wixforth und Boris Gehlen über die Thyssen Bornemisza Gruppe 1919-1932 und 1932-1947 mit Interesse erwarten.

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In diesem korrigierten offiziellen Licht überrascht Derix’s Zugeständnis, dass Fritz und Amelie Thyssen’s „Enteignung (…) jedoch nicht unmittelbar mit einer Einschränkung der Lebensführung verbunden (war)“ nun wirklich überhaupt nicht mehr.

Die Autorin gibt auch zum ersten Mal offizielle Abreisedaten für Fritz Thyssen’s Tochter Anita, ihren Ehemann Gabor und ihren Sohn Federico Zichy nach Argentinien bekannt. So fuhren sie anscheinend am 17.02.1940 an Bord des Schiffs Conte Grande von Genua in Richtung Buenos Aires. Um sie mit der standesgemäßen finanziellen Rückendeckung auszustatten waren kurz zuvor Anteile der Faminta AG in den Übersee-Trust Vaduz transferiert worden, dessen einzige Begünstigte Anita Zichy-Thyssen war, die die ungarische Staatsbürgerschaft besaß.

Derix schreibt sodann, dass Fritz Thyssen im April 1940 „sein politisches Wissen über das Deutsche Reich und die deutsche Rüstungsindustrie als ein Gut (einbrachte), das er im Tausch gegen die Unterstützung seiner Anliegen anbieten konnte“. Was aber genau waren diese Anliegen? Der hochmütig wahnhafte Fritz glaubte offensichtlich, dass er Hitler genauso einfach loswerden könne, wie er ihm einstmals zur Macht verholfen hatte. Dafür war er bereit, deutsche Staatsgeheimnisse mit dem französischen Außenminister Alexis Leger und dem Rüstungsminister Raoul Dautry in Paris zu teilen. Aber für Derix ist dieses Verhalten keinesfalls etwas Strittiges wie z.B. aktiver Landesverrat oder ein Ausdruck der Macht, sondern nichts weiter als das legitime Recht eines Ultra-Reichen, die Wahlmöglichkeiten seines gehobenen Lebensstils auszudrücken.

Während alle vorangegangene Thyssen Biografen, mit Ausnahme von uns, behauptet haben, die Thyssens hätten unausprechliche „Qualen“ während ihrer Inkarzeration in Konzentrationslagern erlebt, bestätigt Derix nunmehr unsere Information, dass sie die meiste Zeit ihrer Inhaftierung in Deutschland im bequemen, privaten Sanatorium des Dr Sinn in Berlin-Neubabelsberg verbrachten. Derix schreibt, sie seien dort „auf Befehl des Führers“ und „auf Ehrenwort“ gewesen. Dabei gab Fritz und Heinrich’s persönlicher Freund Hermann Göring während seiner alliierten Befragungen nach dem Krieg an, er habe diese privilegierte Behandlung initiiert. Nach Neubabelsberg wurden sie in verschiedene Konzentrationslager gebracht, aber Derix ist nunmehr gezwungen einzugestehen, dass sie sich jeweils eines Sonderstatuses erfreuten, der „an allen Aufenthaltsorten belegbar“ sei. Was die Frage aufwirft, warum deutsche Historiker es in der Vergangenheit für nötig erachtet haben, diese Fakten falsch darzustellen.

Derix’s Liste der alliierten Befragungen des Fritz Thyssen nach dem Krieg ist besonders bemerkenswert. Sie illustriert, mit welchem Ernst er der, wenn auch Unternehmens-bedingten, Kriegsverbrechen beschuldigt wurde; genug um ihn mit Inhaftierung zu bestrafen:

Im Juli 1945 wurde er ins Schloss Kransberg nahe Bad Nauheim gebracht, und zwar zum sogenannten Dustbin Zentrum für Wissenschaftler und Industrielle der amerikanischen und britischen Besatzungsmächte. Im August kam er nach Kornwestheim, und im September zum 7th Army Interrogation Center in Augsburg.

Derix erwähnt auch vage, Fritz Thyssen sei irgendwann 1945 durch Robert Kempner, Chefankläger bei den Nürnberger Prozessen, befragt worden.

Thyssen erlitt einen Kollaps und musste sich in ärztliche Behandlung begeben. Er wurde ins US Gefangenenlager Seckenheim gebracht, danach nach Oberursel. Sein Gesundheitszustand verschlimmerte sich. Von April bis November 1946 war er in verschiedenen Krankenhäuser und Kuranstalten zwischen Königstein (wo er eine unerwartete Besserung erlebte) und Oberursel. Ab November 1946 war Fritz Thyssen als Zeuge bei den Nürnberger Nachfolgeprozessen (man nimmt an, in den Fällen von Alfried Krupp und Friedrich Flick) geladen, während er weiterhin ständig Krankenhausbehandlungen erhielt, diesmal in Fürth.

Am 15.01.1947 wurde Fritz Thyssen entlassen und vereinigte sich wieder mit seiner Frau Amelie in Bad Wiessee. Danach kam sein deutscher Entnazifizierungsprozess in Königstein, wo er und Amelie im Sanatorium des Dr Amelung wohnten. In diesem Gericht, wie es seinem unaufrichtigen Charakter entsprach, gab Fritz Thyssen an, keinen Heller zu besitzen.

Währenddessen, so Derix, trat Anita Zichy-Thyssen mit Edmund Stinnes in Kontakt, der in den USA lebte, und mit dessen Schwager Gero von Schulze-Gaevernitz, einem engen Mitarbeiter des US Geheimdienstchefs Allen Dulles. Im Frühjahr 1947 traf sie sich, um „eine Ausreisegenehmigung ihrer Eltern nach Amerika zu erwirken“, mit dem früheren US-Senator Burton K Wheeler in Argentinien, der 1948 nach Deutschland reiste „um Fritz Thyssen aus seinen Denazifizierungsschwierigkeiten zu helfen“. Dies ist sicherlich ein Aspekt einer Einflussnahme auf höchster Ebene, die wir mit weitaus größeren Einzelheiten in unserem Buch präsentiert haben, die aber Johannes Bähr in seinem Band 5 der Serie („Thyssen in der Adenauerzeit“) erstaunlicherweise vollkommen unterschlägt.

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Ein anderer Thyssen, der Probleme mit seiner Entnazifizierung gehabt haben sollte, dies aber nicht tat, war Heinrich’s Sohn Stephan Thyssen-Bornemisza.

Während sein Bruder Heini Thyssen im Deutschen Realgymnasium in Den Haag erzogen wurde, war Stephan auf das Internat Lyceum Alpinum in Zuoz, Schweiz, gegangen, wo die meisten Schüler aus der deutsch-sprachigen Schweiz, den Niederlanden und dem deutschen Reich stammten, bzw. Auslandsdeutsche waren. Demnach gab es in diesem Internat drei Schülerhäuser, mit den Namen „Teutonia“, „Orania“ und „Helvetia“. Nachdem er in Zurich und am Massachusetts Institute of Technology studiert hatte wurde er Assistent in einem Forschungslabor der Shell Petroleum Company in St. Louis. Dann schrieb er an der Universität Budapest seine Doktorarbeit und begann in der Lagerstättenforschung zu arbeiten.

Ab 1932, während er in Hannover lebte, arbeitete Stephan für die Seismos GmbH, eine Firma, die sich mit der Suche nach Bodenschätzen befasste. Sie wurde 1921 durch die Deutsch-Lux, Phoenix, Hoesch, Rheinstahl und die Gelsenkirchener Bergwerks AG gegründet. Derix schreibt: „Ab 1927 war die Gelsenkirchener Bergwerks AG, die wiederum zur 1926 gegründeten Vereinigte Stahlwerke AG gehörte, mit 50 Prozent der Anteile der Haupteigner des Unternehmens. Damit fiel Seismos unter Fritz Thyssens Teil des familialen Erbes. (…) In den 1920er Jahren waren die Messtrupps der Seismos für Ölfirmen wie Royal Dutch Shell oder Roxana Petroleum in Texas, Louisiana und Mexiko auf der Suche nach Öl. (…) Ihr Aktionsradius (weitete) sich auch auf den Nahen Osten, Südeuropa und England aus“.

1937 kaufte Heinrich Thyssen die Seismos für 1.5 Millionen Reichsmark und gliederte sie seinen Thyssenschen Gas- und Wasserwerken an. Während des Krieges, so Derix, war die Firma „an der Erschließung der Rohstoffe in den besetzten Gebieten beteiligt. (…) Beim Verlassen der Ostukraine im Zuge der Panzerschlacht von Kursk 1943 (musste sie) zahlreiches Gerät (…) zurücklassen“.

Hier liegt also einiges an Bedeutung vor für eine Firma, von der bisherige offizielle Thyssen Historien, wenn überhaupt, wenig Relevantes zu berichten hatten.

Und einiges an Bedeutung auch für den verschwiegenen Heinrich Thyssen-Bornemisza, dessen Sohn Heini Thyssen kurz nach Kriegsende seinen Schweizer Rechtsanwalt Roberto van Aken zu folgender Falschaussage gegenüber der US amerikanischen Visabehörde veranlasste: „Seit dem Aufstieg der Nazis an die Macht, insbesondere seit 1938, waren Dr Heinrich Thyssen-Bornemiszas niederländische Unternehmen angehalten, die Aufrüstungsbestrebungen der Nazis zu unterlaufen.“ (Die Thyssen-Dynastie, Seite 265)

Es ist fast in diesem gleichen, verschleiernden Geiste, dass Derix immer noch die Tatsache verbirgt, dass Seismos während des Kriegs sein Hauptquartier von Hannover in den Harz verlegte, wo das Nazi Programm der Massenvernichtungswaffen (V-Waffen) sein Zentrum finden sollte.

Derix deckt auf, dass Stephan ein Mitglied des NS-Fliegerkorps war und bestätigt seine Rolle als förderndes Mitglied der SS. Seine politische Haltung war anscheinend als „ohne jeden Zweifel“ beschrieben worden. Doch bringt es Derix nicht fertig, seine Involvierung in eine weitere Firma, nämlich die Maschinen- und Apparatebau AG (MABAG) Nordhausen auch nur zu erwähnen, geschweige denn dabei ins Detail zu gehen, die ebenfalls im Harz ansässig war.

Wir hatten bereits herausgefunden, dass Stephan Thyssen in den ersten Kriegsjahren Aufsichtsratsvorsitzender der MABAG geworden war. Diese Firma hatte, zusammen mit der IG Farben, „die Anlage eines ausgedehnten Höhlen- und Tunnelsystems im Kohnstein, einem Berg bei Nordhausen (begonnen), ausgestattet mit Tanks und Pumpen (…) Ab Februar 1942 empfahl Reichminister für Bewaffnung und Munition Albert Speer, den Bau von Raketen mit allen Mitteln zu unterstützen. Das war ein extrem ehrgeiziger Waffenherstellungsplan und bedeutete erheblich mehr Aufträge für die MABAG, die unter Aufsicht der Wehrmacht jetzt auch Turbopumpen für die V-Waffen produzierte“. (Die Thyssen Dynastie, S. 203).

Wir hatten angenommen, dass Stephan’s Position als Vorsitzender der MABAG mit einer größeren Investition seitens seines Vaters zusammengehangen haben muss. Simone Derix spricht das Thema überhaupt nicht an, aber der Rechtsanwalt und Historiker Frank Baranowski hat ein sehr wichtiges Dokument gefunden und erklärt auf seiner Webseite:

„1940 stieß der Deutsche Erdöl-Konzern nach einem Wechsel an der Spitze alle seine Werke, die nicht direkt in den Rahmen der Mineralöl- und Kohlegewinnung passten ab, darunter auch die MABAG. Von der Deutschen Bank vermittelt, ging das Aktienkapital von einer Million RM in verschiedene Hände über. Die Mehrheit erwarb Rechtsanwalt und Notar Paul Langkopf aus Hannover (590.000 RM), und zwar vermutlich im Auftrag eines Mandanten, der ungenannt bleiben wollte. Kleinere Anteile hielten die beiden Außenstellen der Deutsche Bank in Leipzig (158.000 RM) und Nordhausen (14.000 RM) sowie Stephan Baron von Thyssen-Bornemisza in Hannover (50.000 RM). Am 14. September 1940 wählte die MABAG ihren neuen Aufsichtsrat: (…) Direktor Schirner (…), Paul Langkopf, Stephan Baron von Thyssen-Bornemisza und der Leipziger Bankdirektor Gustav Köllman (…) (Die MABAG sah sich ……..als reiner Rüstungslieferant und produzierte…… u.a. Granaten, Granatwerker …………und Turbopumpen für die A4-Raketen).“

Wie durch Zufall ist Paul Langkopf nun ausgerechnet ein Mann, dessen Dienste verschiedene Mitglieder der Familie über die Jahre in Anspruch genommen hatten. Es kann davon ausgegangen werden, dass der „anonyme“ Aktionär Stephans Vater Heinrich Thyssen-Bornemisza war. Die Geheimhaltung der Transaktion entspricht komplett seinem Stil. Und während Baranowskis Ansichten über die Verwendung von Zwangsarbeitern bei der MABAG und unsere auseinander gehen, so ist dieses von ihm erschlossenen Dokument doch ein weiterer Hinweis dafür, dass Heinrich während des Krieges definitiv 100% pro-Nazi war; während er sich anscheinend aus der Welt verabschiedet hatte und weit weg in seinem sicheren, Schweizer Hafen weilte, so wirkend, als hätte er mit gar nichts etwas zu tun.

Die große Simone Derix zieht es während dessen vor, sich auf relativ Triviales zu konzentrieren, so wie die Tatsache dass Stephan’s Mutter Margit ebenfalls, mit ihrem zweiten Mann, dem „germanophilen“, „antisemitischen“ Janos Wettstein von Westersheimb (der nach der Kriegswende 1943 seinen Job bei der Ungarischen Botschaft in Bern plötzlich verlor) während des Kriegs in der Schweiz lebte. Anscheinend hat sie sich nach dem Krieg für Stephans Ausreise aus Deutschland eingesetzt, und zwar bei keinem Geringeren als Heinrich Rothmund, der während des Kriegs für weite Teile der anti-jüdischen Asylpolitik der Schweiz verantwortlich war.

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Schließlich bearbeitet Simone Derix noch zwei Themen in ihrem Buch – die wir auch behandelt haben, wenn auch zu einem verschiedenen Grad -; nämlich 1.) Die Golddeponierung der Thyssens in London vor dem Krieg und was damit während bzw. nach dem Krieg geschah und 2.) Die Entfernung der Thyssenschen und niederländisch königlichen Aktienzertifikate aus der Bank voor Handel en Scheepvaart in Rotterdam, deren Unterbringung in der August Thyssen Bank in Berlin während des Krieges und ihre Rückführung nach Rotterdam nach dem Krieg, in einer illegalen Aktion durch eine Niederländischen Militärmission unter der Tarnbezeichung „Operation Juliana“. Wir werden diese Themen angemessener bei unseren Besprechungen der Bände von Jan Schleusener, Harald Wixforth und Boris Gehlen analysieren.

In beiden Fällen spielten Mitglieder und Mitarbeiter der Thyssen Familie fragwürdige Rollen, indem sie ihre hochrangigen (diplomatischen und anderweitigen) Positionen ausnutzten, um es den Thyssens zu ermöglichen, in ihrer Gier nach grenzenlosem persönlichen Vorteil, eine Gastnation gegen die andere auszuspielen. Simone Derix führt ihre kritische Analyse hier nur so weit, dass sie sagt, diese Einmischungen hätten es kleineren Staaten wie den Niederlanden oder der Schweiz erlaubt, Siegermächte des zweiten Weltkriegs unter Druck zu setzen, um ihre eigenen nationalen Interessen am Vermögen der Thyssens zu wahren.

Während unser Buch ein mögliches „Handbuch der Revolution“ genannt worden ist, beschreibt Derix ihres als Model, bei dem „Die Thyssens (…) den Weg (…) für zentrale Suchrichtungen einer (…) Geschichte der Infrastruktur des Reichtums (weisen können)“. Sie lässt die Antriebskraft des „Neids“ à la Ralf Dahrendorf anklingen, während sie das Konzept der „Wut“ der Öffentlichkeit an der ständigen Inanspruchnahme rechtlicher Immunität durch die Super-Reichen außer Acht lässt, wie sie z.B. von Tom Wohlfahrt beschrieben worden ist.

Simone Derix’s Schreibstil ist sehr klar und während der Lesung im Historischen Kolleg in München verwandelte die sonore Stimme der speziell engagierten Sprecherin des Bayerischen Rundfunks, Passagen zu anscheinend tief in Rechtschaffenheit eingelegter Literatur. Aber diese Akademikerin, die von Professor Margit Szöllösi-Janze dem Publikum als „Spitzenforscherin“ angepriesen wurde, gibt sich selbst definitiv mehr Autorität darin, historische Urteile zu fällen, als es ihr gegenwärtig zusteht.

Während des nachfolgenden Podiumsgesprächs mit dem Historiker und Journalisten Dr Joachim Käppner von der Süddeutschen Zeitung, wies Derix die Konzepte von Macht und Schuld im Namen der Thyssens kategorisch zurück. Während sie dies tat, musste sie allerdings wiederholt durch Käppner vorangeleitet werden, um ihre äusserst stockenden Antworten zu fokussieren, die, nichtsdestotrotz, den Anschein gaben, vorher abgesprochen worden zu sein.

Wir hoffen, dass Simone Derix nicht die einzige Mitwirkende der Serie bleibt, die Antworten zu diesen Fragen formuliert – Aber dann vielleicht mit mehr Aufrichtigkeit, wenn nicht größerer Unabhängigkeit von der möglicherweise befangenen Fritz Thyssen Stiftung.

Fritz Thyssen und Hermann Göring in Essen, copyright Stiftung Ruhr Museum Essen, Fotoarchiv

Heinrich Thyssen-Bornemisza und Hermann Göring beim Deutschen Derby, 1936, copyright Archiv David R L Litchfield

Batthyany-Clan, ca. 1930er Jahre, dritter von links Ivan Batthyany, Ehemann von Margit Thyssen-Bornemisza, copyright Archiv David R L Litchfield

Hendrik J. Kouwenhoven, Bevollmächtigter für Heinrich Thyssen-Bornemisza, copyright Stadsarchief Rotterdam

Drei Thyssen Brüder vereint: von links Heinrich Thyssen-Bornemisza, August Thyssen Junior, Fritz Thyssen, Villa Favorita, Lugano, September 1938, copyright Archiv David R L Litchfield

 

Stephan Thyssen-Bornemisza mit Ehefrau Ingeborg, Hannover, ca. 1940er Jahre (Foto Alice Prestel-Hofmann, Hannover), copyright Archiv David R L Litchfield

Thyssen Bank voor Handel en Scheepvaart Rotterdam, Jahresbericht 1930, copyright Archiv David R L Litchfield

Thyssen Bank voor Handel en Scheepvaart Rotterdam, Aufsichtsrat und Verwaltungsrat 1929, copyright Archiv David R L Litchfield

Thyssen Bank voor Handel en Scheepvaart Rotterdam, Schalterraum, copyright Archiv David R L Litchfield

Thyssen Bank voor Handel en Scheepvaart Rotterdam, 1929, Empfangsraum, copyright Archiv David R L Litchfield

Thyssen Bank voor Handel en Scheepvaart Rotterdam, 1929, Stahlkammern, copyright Archiv David R L Litchfield

 

 

 

 

 

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Sacha Batthyany’s Great-Aunt’s Mother Casts the Die in Hating Jews and Cursing Communists

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Six Weeks Under The Red Flag Being the thrilling experiences of a well known Hungarian lady during the revolution of 1918-1919

by Baroness T. B. de Kaszon

Published in 1920 in The Hague by W. P. van Stockum & Son

(free pdf-File, click here)

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I am reproducing this facsimile as a reflection of the author’s social and political values of this period and in this location, but mainly as an example of her anti-Semitism (see pages 7/11/16/17/23/25/27/31/ 32/37/73); for the lady in question is the Baroness Margit Thyssen-Bornemisza de Kaszon, the wife of the German industrialist and banker, Heinrich Thyssen, and mother to their son ‘Heini’ Thyssen.

Originally the product of the union between the American Louise Price and the Hungarian Baron Gabor Bornemisza, she mysteriously adopted the name Gabriele in this book; her real name being Margit.

The title Baroness Thyssen-Bornemisza was the result of quite a remarkable piece of social engineering; her husband, having been adopted by her heirless father, acquired a Hungarian title, and purchased a castle and estate to go with it. (Originally called Rohoncz, as a result of the Treaty of Trianon it became part of Austria in 1920, renamed Rechnitz and remained in the ownership of the Thyssen family.)

Her daughter Margit married into the Batthyany family, who had originally owned Rechnitz castle, and it was this Margit who hosted the party in 1945 during which 180 Jews were murdered as after-dinner entertainment.

It was Margit Batthyany‘s great-nephew Sacha Batthyany who wrote the book ‘What’s That To Do With Me?‘ (english title: ‘A Crime in the Family‘), in which he also expressed his opinion of Jews and communists and adopted a similarly flexible, though less theatrical, attitude towards the truth; particularly concerning the Rechnitz massacre.

Many years later Margit Thyssen-Bornemisza’s other daughter ‘Gaby’ Bentinck (pictured on page 48, on the right) admitted to me that their escape from the castle in 1918/9 had involved nothing more dangerous than being driven to the station by their chauffeur, from where they caught a train to Vienna.

 

A self-indulgently fantastical, highly disturbing manifesto

Margit Thyssen-Bornemisza nee Bornemisza, mother of Margit Batthyany nee Thyssen-Bornemisza, great-great-aunt by marriage of Sacha Batthyany

 

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Thyssen Provenance à la Terlau or The Art of Academic Ineptitude

With a delay of 10 months following the publication of Johannes Gramlich’s book on „The Thyssens As Art Collectors“, the first official review, written by Dr Katja Terlau, a German art historian specialising in provenance research, has now finally appeared on the Sehepunkte review platform, as well as in the art magazine Kunstform.

What is most shocking about this piece is that the reviewer on three separate counts fails to appreciate the fact that the collections of Fritz Thyssen and of Heinrich Thyssen-Bornemisza (and later Hans Heinrich) were two completely separate collections, describing them instead as one collection. One can only hope that Dr Terlau operates with more care in her general provenance research work, while one is also left wondering about the standards of „Sehepunkte“ and „Kunstform“ for publishing such a misleading assessment!

In general terms, this is a glowing review of a book said to be written by an „independent historian“, „supported by the Fritz Thyssen Foundation and the Thyssen Industrial History Foundation“. That is, one presumes, as independent as Katja Terlau herself, who in 2001, with the support of the same Fritz Thyssen Foundation of Cologne, organised a colloquium entitled „Museums in the Twilight Zone – Purchase policies 1933-1945“, at the Wallraf-Richartz-Museum in Cologne.

Dr Terlau describes, in a gushing manner very akin to that of Johannes Gramlich himself, the Thyssens as a „renowned“, „successful“, „influential“, and „preeminently cross-linked“ family, who acquired a „magnificent“, „outstanding“, „high quality“ collection through the „passion“, „love“ and „special feeling“ of its members (not because the latter is true – it’s not -, but because the Thyssens are super-rich and major academic sponsors, which tends to leave people supremely dazzled and gullible).

Dr Terlau’s faculties of critical analysis sink to the lowest possible level when she enthuses how Heinrich Thyssen paid „ca. 50 million Reichsmark“ between 1926 and 1936 „alone“ to buy „over 500 paintings“. Meanwhile, she leaves the explanations by Gramlich that Heinrich’s heir Hans Heinrich Thyssen-Bornemisza quietly disposed of at least 125 of those paintings, in the 1960s and 1970s, unmentioned. Or the fact that many experts at the time of Heinrich’s first exhibition in Munich in 1930 were highly critical of his collection, estimating anything up to 400 paintings to be of questionable quality.

There are a few redeeming features too, for instance when Dr Terlau quite rightly criticises the fact that so few of the actual art works are described by Gramlich sufficiently precisely to make an accurate identification of the works possible at all. She also accuses him of mentioning art inventories without ever citing from them, and of using sources that are well out of date and totally behind the current level of research!

Dr Terlau goes on to criticise Gramlich’s evaluation of the Thyssens’ Rodin marble sculptures and ceramic art in particular as „very questionable“, although it remains unclear what exactly she means by this. No explanation is forthcoming. She also objects to him failing to „take into account the object of the art trade in a more concrete manner“, while stating „this trade depends on many factors and personalities and is very difficult to grasp“ – again leaving the reader at a loss to understand what exactly is the point she is trying to make.

However, her statement that Gramlich’s assessment „the Nazis’ appropriation of art can be compared to the growing interest in art of the bourgeoisie in the 19th century“ „seems very disconcerting“ is a description that chimes very much with the feeling experienced by ourselves when we first read the passage in Gramlich’s book.

It is a shame that Dr Terlau has not seen fit to include in her review more of the „very disconcerting“ elements of Gramlich’s book, such as the Thyssens taking advantage of the disbanding of Jewish collections or their abuse of art for personal aggrandisement as well as tax avoidance, to name but a few. On top of which comes, of course, the morally questionable partial source of the wealth used for the art purchases (arms manufacture, forced labour).

On the whole, Dr Terlau recommends Johannes Gramlich’s book as „distinguished“ and as forming „a broad basis for many further research approaches“. However, as far as Thyssen is concerned, it can be assumed that it is not academia, but the „influential“ and „preeminently cross-linked“ Thyssens and their organisations, with their essential control over relevant source material and their financial power, who will be deciding on that.

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Gibt es wirklich eine neue Thyssen Bescheidenheit am Horizont?

Es ist fast ein Jahrzehnt her, seitdem unser kontroverses Buch mit 500 Seiten über Thyssen erschien („Die Thyssen-Dynastie. Die Wahrheit hinter dem Mythos“), welches eine umfangreiche offizielle Antwort in Gang setzte, deren Logik manchmal schwer zu verstehen ist; es sei denn als Beteuerung der akademischen Glaubwürdigkeit der Fritz Thyssen Stiftung oder zur Beschwichtigung der Schuld der Thyssen Familie.

For zwei Jahren begann die Fritz Thyssen Stiftung, mit Zustimmung ihres Kuratorium-Mitglieds Georg Thyssen-Bornemisza und der Unterstützung des ThyssenKrupp AG Konzern Archivs, endlich mit der Freigabe einer Serie von zehn Büchern (mit insgesamt mindestens 5,000 Seiten!) unter dem Titel „Familie – Unternehmen – Öffentlichkeit. Thyssen im 20. Jahrhundert“. Bisher sind drei Bücher erschienen (zwei davon waren Doktorarbeiten) und von uns rezensiert worden: Donges über die Vereinigten Stahlwerke, Urban über Zwangsarbeit und Gramlich über Kunst.

Dann wurde im November 2015, ausserhalb der chronologischen Abfolge, Band 5, „Thyssen in der Adenauerzeit. Konzernbildung und Familienkapitalismus“ herausgegeben. Der Status des Autors, Professor Johannes Bähr, sein bisheriges Werk und seine angebliche Verpflichtung zur Transparenz in der zeitgeschichtlichen Auftragsforschung hatten Hoffnungen auf eine wirklich kritische Analyse der Art und Weise aufkommen lassen, wie diese Familie, die eine der größten Kriegsgewinnler und Unterstützer Hitlers war, nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland ihre Macht zurück gewinnen konnte.

Leider spiegelt die fast Disney-artige und doch hochmütige Oberflächlichkeit des Buches wieder einmal die Stempelmarke eines vom Unternehmen authorisierten Werks allzu offensichtlich wider. Wir werden daher unsere Rezension bis zum Ende der Serie verschieben, nicht zuletzt da ca. 2017 (?) ein weiterer Band erscheinen soll, der sich mit der „Konfiszierung“ von Fritz Thyssens Vermögen während und dessen Rückerstattung nach dem Zweiten Weltkrieg auseinander setzt. Ohne diesen lässt sich Band 5 nicht wirklich rezensieren, angenommen es interessiert sich bis dahin überhaupt noch irgend jemand dafür.

Die weiteren Bände der Serie, die noch ausstehen sind auf der einen Seite Simone Derix, „Die Thyssens. Familie und Vermögen“ und Felix de Taillez, „Fritz und Heinrich Thyssen. Zwei Bürgerleben für die Öffentlichkeit“ (beide angekündigt für Juni 2016), wobei letzteres allein schon im Titel eine unglaubliche Kehrtwende signalisiert für eine Organisation, die es bisher ausließ, eine seriöse Darstellung von Heinrich Thyssen-Bornemisza zuzulassen, der dunkelsten Persönlichkeit in der Familie, der die engsten Verbindungen – nicht zuletzt durch Bankenaktivitäten – mit dem verbrecherischen Nazi-Regime hatte.

Und schlussendlich handelt es sich noch um vier Werke, deren Erscheinungsdatum bisher unklar ist, nämlich: Jan Schleusener über die „Konfiszierung“ und Rückerstattung von Fritz Thyssens Vermögen; Harald Wixforth über die Thyssen Bornemisza Gruppe 1919-1932; Boris Gehlen über die Thyssen Bornemisza Gruppe 1932-1947; und Hans Günter Hockerts über die Geschichte der Fritz Thyssen Stiftung.

Fast parallel dazu hat sich ThyssenKrupp (oder thyssenkrupp, wie es sich jetzt mit seinem neuen, filigranen Logo nennt) unter Heinrich Hiesinger einer großen Kampagne des Imagewechsels unterworfen. Hiesinger kämpft seit seiner Übernahme als Vorstand 2011 an mehreren Fronten gegen riesige Verluste aus früherem Mismanagement und Korruptionsskandalen, sowie den Folgen des rapiden Verfalls der europäischen Stahlindustrie.

Hiesinger’s Programm aus Rationalisierung und Transparenz ist von Martin Wocher im Handelsblatt als “neue Bescheidenheit der Ruhrbarone“ beschrieben worden (von denen es natürlich eigentlich schon lang gar keine mehr gab) und von Bernd Ziesemer in Capital als einen „verordneten Kultur- und Mentalitätswandel“, der es thyssenkrupp ermöglicht, aus der „Tradition der Korruption in der Stahlbranche“ auszuscheren.

Aber wie glaubwürdig und erfolgreich kann solch ein Kampf um das Aufpolieren des angeschlagenen Images von thyssenkrupp vor dem Hintergrund einer anhaltenden Intransparenz der Geschichtsschreibung des Unternehmens wirklich sein?

Fast als wollte sie die Widersprüchlichkeiten der Situation illustrieren ließ sich diesen Monat Francesca Habsburg, geborene Thyssen-Bornemisza, Enkelin von Heinrich, im Deutschen Fernsehen (“ZDF Hallo Deutschland Mondän: Wien”) als „schwer-reiche Thyssen-Erbin“ darstellen, „die kein Blatt vor den Mund zu nehmen braucht“. Als solche attackierte sie den österreichischen Staat als “heuchlerisch”, weil er den Namen Habsburg für den Tourismus ausnutze, sich jedoch weigere, ihre Kunstausstellungsaktivitäten mit Steuergeldern zu finanzieren. Dann setzte sie den Namen ihres Mannes herunter (und zwar durchwegs auf Englisch, nicht auf Deutsch!):

„Der Name Habsburg hat mich nicht beeindruckt. Ich war von ihm nicht überwältigt. Was mich beeindruckt hat, war mein Schwiegervater, und wie er die Familie zusammen gehalten hat. Ich glaube, die Familie hat erkannt, dass ich die Geschichte der Familie akzeptiert habe und dass sie durch mich eine komfortable [offensichtlich meinte sie finanziell komfortable] Zukunft hat“. (alle Zitate ungefähr aus der Erinnerung).

Aber natürlich ist es nicht die Geschichte der Habsburger, die Schwierigkeiten bereitet. Es ist die Geschichte ihrer eigenen, der Thyssen Familie und ihrer industriellen und Bankgeschäftsaktivitäten, aus denen sich ihr Vermögen herleitet, mit der sich Francesca Thyssen aus Demut tatsächlich einmal befassen sollte.

Thyssen ohne Stahl. Ein Symbol schwindender Unternehmensidentität.

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Is there really a new Thyssen humility on the horizon?

Nearly a decade has passed since the publication of our controversial, 500-page book on Thyssen („The Thyssen Art Macabre“), following which a large official response was set in motion, the logic for which is sometimes difficult to understand, except perhaps to reaffirm the academic credibility of the Fritz Thyssen Foundation and assuage the Thyssen family’s guilt.

Two years ago, the Fritz Thyssen Foundation, with the consent of its board member Georg Thyssen-Bornemisza and the support of the ThyssenKrupp company archives, finally started releasing a series of ten books (anything around 5000 pages in total!) entitled „Family – Enterprises – Public. Thyssen in the 20th Century“. So far, three books have appeared (two of which were doctoral thesis) and were reviewed by us: Donges on the United Steelworks, Urban on Forced Labour and Gramlich on Art.

Then, in November 2015, somewhat at odds with the chronology, volume five, „Thyssen in the Adenauer Period. Concern Formation and Family Capitalism“ by Professor Johannes Bähr was issued. The author’s status, track record and purported commitment to transparency in company-commissioned research gave rise to hopes for a genuine, critical analysis of the regaining of power, after World War Two, in Germany, of a family who had been major war profiteers and Hitler supporters.

Unfortunately, the book’s almost Disney-style, yet haughty superficiality once again displayed all too obviously the hallmarks of a Thyssen-authorised work. We will thus be postponing our review until the end of the series, not least because another tome, out sometime around 2017 (?), is set to deal with the „confiscation“ of Fritz Thyssen’s assets during, and their restitution after World War Two, a topic without which volume 5 cannot really be fully appreciated, assuming that anybody out there will have the stamina to actually get that far.

The remaining books of the series to be published are on the one hand: Simone Derix, „The Thyssens. Family and Fortune“ and Felix de Taillez, „Fritz and Heinrich Thyssen. Two Bourgeois Lives for the Public“ (both due out in June 2016), whereby the latter title represents an unbelievable turn-around for an organisation which in the past has denied any serious representation of Heinrich Thyssen-Bornemisza, the darkest character of the family, who had the closest bonds – not least through banking – with the evil Nazi regime.

And finally, four books, whose publication dates remain so far undisclosed: Jan Schleusener on the „confiscation“ and restitution of Fritz Thyssen’s fortune; Harald Wixforth on the Thyssen-Bornemisza Group 1919-1932; Boris Gehlen on the Thyssen-Bornemisza Group 1932-1947; and Hans Günter Hockerts on the history of the Fritz Thyssen Foundation.

Almost in parallel, ThyssenKrupp (or thyssenkrupp as it is now known, with its new, filigree logo) has seen a major image change campaign taking hold under Heinrich Hiesinger who, since taking over as chief executive in 2011, has been fighting on several fronts against huge deficits from past mismanagement and corruption scandals, as well as the rapid decline of the European steel-making sector.

Hiesinger’s programme of streamlining and transparency has been described by Martin Wocher in Handelsblatt as „the end of the era of the self-aggrandising Ruhr barons“ (of which, of course, there have not really been any left for quite some time) and by Bernd Ziesemer in Capital as a „change in culture and mentality“ that is allowing thyssenkrupp to distance itself from the „tradition of corruption“ within the steel industry.

But how believable and successful can this fight for the polishing of thyssenkrupp’s tarnished image really be against a background of persistent opacity in the company’s historiography?

As if to illustrate the contradictions involved in the situation, Francesca Habsburg, nee Thyssen-Bornemisza, grand-daughter of Heinrich, this month on German TV’s „ZDF Hallo Deutschland Mondän: Wien“ feature, having let herself be described as a „super-rich Thyssen heiress“, who „has no need to mince her words“, used the programme to attack the Austrian state as „hypocritical“ for using the Habsburg name to help tourism while refusing to fund her art exhibition activities with tax payers’ money. She then denigrated her husband’s name by stating (in English rather than German throughout!):

„The name Habsburg did not dazzle me. I was not overwhelmed by it. I was overwhelmed by my father-in-law, and how he kept the family together. I think the family has come to understand that I have accepted the history of the family and that it has a comfortable [clearly meaning financially comfortable] future through me“. (all quotes approximate from memory).

Of course, it is not the Habsburg family history that is difficult to accept. It is the history of her own, the Thyssen family and their industrial and banking endeavours from which her fortune came, that Francesca Thyssen should, in fact, start being sufficiently humble to concern herself with.

Thyssen without steel. A symbol of their fast disappearing corporate identity.

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Rechnitz Revisited I

Neben der Publikation unseres Buches „Die Thyssen-Dynastie. Die Wahrheit hinter dem Mythos“ gibt es ein besonderes Ereignis, das sowohl symbolisch als auch real die Thyssens, sowohl als Unternehmen wie auch privat, dazu gebracht hat, ihre Geschichte umzuschreiben. Und zwar das sogenannte Massaker von Rechnitz, wie es jetzt genannt wird, also der Mord an hundert achtzig ungarischen, jüdischen Zwangsarbeitern nach einem Fest, welches Margit Batthyany-Thyssen im März 1945 unter anderem für SS-Offiziere gab, welche im Thyssen-finanzierten Schloss Rechnitz im Burgenland untergebracht waren; nicht nur das Ereignis selbst, sondern ein Artikel, den wir im Oktober 2007 über die Rolle Margit Thyssens bei diesem Verbrechen für die Frankfurter Allgemeine Zeitung schrieben.

Als die FAZ den Artikel veröffentlichte stritten manche Akademiker, wie Professor Wolfgang Benz von der Universität Berlin, das ganze Ereignis ab, während Manfred Rasch, der Archivleiter der ThyssenKrupp AG uns später als sensationsorientierte Journalisten abtat, die die Rolle der Thyssens mit Hilfe von „Sex and Crime“ Journalismus aufgebauscht hätten. Dies machte uns aber nur noch entschlossener, die Anschuldigungen zu widerlegen, wir hätten gelogen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen, die nicht nur das Schloss besaßen, welches sie während des Krieges mit Geldern aus Thyssen Unternehmen finanzierten, sondern auch das umliegende Landgut und damit einen bedeutenden Teil des Städtchens.

Nun hatte der Bericht über die Beteiligung der Thyssens sich in der europäischen Presse verbreitet, dies natürlich auch online, und als die ThyssenKrupp AG (für die Unternehmen) und die Thyssen Bornemisza Gruppe (für die Familie) sich bewusst wurden, dass eine größere Kampagne der Schadensbegrenzung von Nöten sein würde, wurde ein Team von Akademikern beauftragt, nicht nur das Massaker von Rechnitz aufzuarbeiten, sondern die gesamte unternehmerische und Familiengeschichte (oder zumindest die bis zu einem passend flexiblen Zeitpunkt), und zu versuchen über die Fritz Thyssen Stiftung einen akademisch anerkannten historischen Präzedenzfall zu etablieren.

Doch obwohl es in den Büchern der Serie „Thyssen im 20. Jahrhundert – Familie, Unternehmen, Öffentlichkeit“ bisher schon mehrere Gelegenheiten gab, eine entsprechend reingewaschene Version der Geschichte des Massakers von Rechnitz aufzunehmen, ist dies nicht geschehen.

Dann wurden wir vor nicht all zu langer Zeit darauf aufmerksam, dass im Mai 2014 eine nicht sehr publik gemachte Veranstaltung an der Universität von München stattgefunden hat, nämlich eine zweitätige Konferenz unter dem Titel „Rechnitz Revisited“, welche von der vielseitigen und omnipräsenten „Nachwuchsgruppenleiterin“ Dr Simone Derix veranstaltet wurde. Als uns bewusst wurde, dass das Thema der Konferenz das Massaker von Rechnitz war und sie von der Fritz Thyssen Stiftung gefördert worden war, wurde alles klar.

Es war offensichtlich eine Entscheidung gefällt worden, dass, solange das Thema Rechnitz so kontrovers und die Beteiligung der Thyssens so offensichtlich waren, es viel zu gefährlich war, „wissenschaftlich“ belegte Aussagen zu treffen, die ihre Beteiligung oder die Genauigkeit der Fakten in unserem Buch (und in unserem FAZ Artikel) anfochten. Fakten wie zum Beispiel die Details, dass Heinrich Thyssen über seine August Thyssen Bank einen RM 400,000 Kredit als „Beihilfe Rechnitz“ gewährt hatte, zu einer Zeit, als das Schloss bereits von der SS requiriert war, oder die jährliche Grundzahlung an Margit von RM 30,000 und „wandelbaren“ RM 18,000 zur Schlossunterhaltung, während das Gut „von Thyssengas weiterhin betreut“ wurde (damals Thyssensche Gas- und Wasserwerke) (siehe auch hier).

Das hinderte die Personen, die für den Inhalt der Konferenz verantwortlich waren, jedoch nicht daran, es dennoch zu versuchen und während unser Buch und unser Artikel mit keinem Wort erwähnt wurden, so wurden doch einige, allzu offensichtliche Andeutungen gemacht, nämlich an „überzeichnete mediale Darstellung“; sexbesessene Schlossherrin; skandalisierende Medienberichte; überzeichnete Fokussierung auf einzelne Personen, insbesondere Margit Batthyany-Thyssen; die große Diskrepanz zwischen den phantasievollen Berichten und der historischen Rekonstruktion des Geschehens; Phantasien und spekulative Projektionsfläche“.

Die Teilnehmer nutzten die Gelegenheit, um das Konzept voran zu treiben, dass das Geschehene auf keinen Fall in die Verantwortlichkeit der ehrenwerten Thyssens und Batthyanys fallen kann, sondern dass jede Schuld an dem Verbrechen sicher bei den weniger privilegierten Teilen der Bevölkerung zu verorten ist. Es ist eine Strategie, die in der Reihe „Thyssen im 20. Jahrhundert“ ebenso praktiziert wird, und die mittlerweile den Lesern unserer Rezensionen dieser Bücher bekannt sein dürfte.

Im Grunde schien das bewusste Format dieser Konferenz nicht zu sein, spezifische Fragen zu beantworten oder irgendeine Form einer verbindlichen Aussage zu treffen. Vielmehr sollte ein akademisches „work in progress“ etabliert werden. Es ist eine Verfahrensweise, welche auch das österreichische Innenministerium seit Jahren angewandt hat, um einen Wall aufzubauen, hinter dem unangenehme Dinge versteckt werden können wie z.B. die Frage, wo die Toten des Massakers von Rechnitz begraben sind.

Zur Konferenz wurden eine Reihe von Akademikern eingeladen, die von der Fritz Thyssen Stiftung autorisiert wurden – allen voran Eleonore Lappin-Eppel und Claudia Kuretsidis-Haider – ausserdem Sacha Batthyany, ein Journalist, dessen Familie ursprünglich sowohl das Städtchen wie auch das Schloss besaßen und von ihrer Verbindung mit den Thyssens profitierten, und die auch ein gewisses Ausmaß an Macht und Einfluss in der Gegend behalten haben. Sacha Batthyany hatte einen ernsthaften Interessenkonflikt, gab jedoch der Veranstaltung einen gewissen noblen Status und half dabei, die Aufmerksamkeit von den Thyssens weg zu lenken und auch von seiner eigenen, anscheinend schuldfreien Familie; von der einige Mitglieder (so hatte er uns einmal gesagt) weiterhin an „jüdische Verschwörungen“ im Zusammenhang mit dem ungelösten Fall glauben.

Es ist anzunehmen, dass die Fritz Thyssen Stiftung diese Konferenz nun alle paar Jahre wiederholen wird bis ihre Version der Geschehnisse, welche jedwede Erwähnung der Beteiligung der Thyssen Familie am Rechnitzer Verbrechen ausschließt, akzeptiert worden ist.

Oder bis zum unwahrscheinlich Fall dass erkannt wird, dass ihre akademischen Verleugnungen nicht überzeugen und nur unsere Bestimmtheit vergrößern, dafür zu sorgen, dass die Thyssens, die persönlich übrigens nie die Genauigkeit unserer Fakten bestritten oder uns der Übertreibung bezichtigt haben, den ihnen gebührenden Grad an Verantwortung und Schuld übernehmen.

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Rechnitz Revisited I

Apart from the publication of our book, „The Thyssen Art Macabre“, if there was one event above all others that both symbolically and in reality persuaded the Thyssens, both corporately and privately, to rewrite their history, it is what has now become known as „The Rechnitz Massacre“, or the slaughter of one hundred and eighty Hungarian Jewish slave workers, following a party given by Margit Batthyany-Thyssen for SS officers stationed at the Thyssen-owned Rechnitz castle in Burgenland, Austria, in March 1945, amongst others; not just the event itself but an article we wrote for Frankfurter Allgemeine Zeitung in October 2007 concerning Margit’s role in the atrocity (the english version was published by the Independent on Sunday).

When FAZ first published the story in German, some academics, such as Professor Wolfgang Benz from Berlin University, denied the whole event, while Manfred Rasch, ThyssenKrupp’s archivist, subsequently wrote us off as sensationalist journalists who had exaggerated the Thyssens’ involvement with the use of „sex and crime“ style journalism. But this only succeeded in motivating our determination to refute the accusations that we had lied and expose those responsible; who owned not only the castle, which they continued to finance with Thyssen corporate money throughout the war, but the surrounding estate and thus much of the town.

By now the story of the Thyssens’ involvement had flooded the European press and gone online and the realisation that they needed to mount a major campaign of damage limitation had motivated ThyssenKrupp AG (representing the corporation) and the Thyssen Bornemisza Group (representing the family) to authorise a team of academics to write not just of the Rechnitz Massacre, but the entire (or up until a somewhat conveniently flexible date) corporate and private history and establish, or attempt to establish, via the Fritz Thyssen Foundation, an academically approved, historical precedent.

But while there have been various opportunities for the inclusion of a suitably white-washed version of the history of the Rechnitz Massacre in the books of the series „Thyssen in the 20th Century – Family, Enterprise, Public“, such a thing has so far been conspicuous by its absence.

Then, quite recently, we became aware of a little publicised event that had taken place in May 2014 at Munich University, organised by the versatile and omnipresent „Junior Research Group Leader“ Dr Simone Derix, in the form of a two-day conference entitled „Rechnitz Revisited“. When we noticed that the event concerned the Rechnitz Massacre and had been sponsored by the Fritz Thyssen Foundation, an organisation which up until the publication of our book never appeared to have previously become involved in financing any in-depth research into the history of the Thyssen family or its corporate past, all became clear.

A decision had obviously been made that as long as the Rechnitz subject remained so contentious and the Thyssens’ involvement so obvious, it was far too dangerous to attempt to make „scientifically“ supported statements that refuted their involvement and/or the accuracy of the facts contained in our book (and the subsequent article in FAZ). Facts that included such details as Heinrich Thyssen’s RM 400,000 loan (via the August Thyssen Bank) towards the upkeep of the castle when it had already been requisitioned by the SS, or Margit’s annual RM 30,000 wartime remit, plus an extra RM 18,000 „flexible“ contribution for maintaining the castle, it being „generally looked after by Thyssengas” (then called Thyssensche Gas- und Wasserwerke) (see also here).

But this did not stop those responsible for the content of the conference from trying, of course, and while our book or our article in FAZ were not named, there were various, all too obvious references to „exaggerated media presentation; sex-crazed chatelaine; scandalous news coverage; exaggerated focus on individuals, especially Margit Batthyany-Thyssen; the large discrepancy between the fanciful reports and historical reconstruction of events; fantasies and speculative projections“.

They also took the opportunity to promote the concept that far from being the responsibility of the honourable Thyssens and Batthyanys, any blame for the crime should more accurately be shouldered by the less privileged members of the population. It is a conscious strategy that is pursued equally in the „Thyssen in the 20th Century“ series and which will by now have become familiar to the readers of our reviews of these books.

Basically the format of the conference in Munich appeared to be geared towards the establishment of an academic „work in progress“, rather than the answering of specific questions or making any form of committed statement whatsoever. It was a ploy that the Austrian Ministry of the Interior has been using for years as a screen behind which they can hide potentially embarrassing details of such things as where the bodies of the victims of the Rechnitz Massacre were buried.

Those invited to the conference were a group of authorised (by Fritz Thyssen Stiftung) academics, such as Eleonore Lappin-Eppel and Claudia Kuretsidis-Haider, plus Sacha Batthyany, a journalist whose family had originally owned both town and castle and profited from their relationship with the Thyssens, while retaining their power and influence in the Rechnitz area. Sacha suffered from a serious conflict of interest but gave the proceedings a degree of noble status and assisted in steering attention away from the Thyssens and his own, apparently guiltless family; many of whom (or so he had originally assured us) still believe in „Jewish conspiracies“ surrounding the unresolved case.

Doubtless the Fritz Thyssen Foundation will now repeat the conference once every few years until their version of events, which excludes any mention of the Thyssen family’s involvement in the Rechnitz crime, has been accepted.

Or until the unlikely event that they acquiesce to the fact that their academic denials lack conviction and only serve to fuel our determination that the Thyssens, who have personally never actually accused us of inaccuracies or exaggerations, accept their appropriate degree of responsibility and guilt.

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The Batthyany Conspiracy: All Innocent On The Eastern Front

Article by Sacha Batthyany in ‘Das Magazin’, Switzerland, 11.12.2009.
Translation copyright Caroline Schmitz.

http://dasmagazin.ch/index.php/ein-schreckliches-geheimnis/

(Note DL: Sacha approached us for assistance in researching this article and we granted him access to photographs and documents).

‘The Terrible Secret

During a party in the Austrian village of Rechnitz shortly before the end of the war, 180 Jews were murdered. The hostess was Margit Batthyany-Thyssen, the author’s great-aunt. A family story.

I am standing in front of Aunt Margit’s grave and am trying to remember her face, but I can’t. The wind is taking the last leaves off the trees and Lake Lugano appears cold and grim. When I think of Aunt Margit’s face, I only ever see her tongue.

It is a simple grave, Castagnola cemetery, at the foot of Monte Bre – just a simple granite plate, although Margit was one of the richest women in Europe, and modesty was not one of her virtues. “21. June 1911 – 15. September 1989 Margit Batthyany-Thyssen”. Somebody has put fresh chrysanthemums there and the earth in the pot is fresh too.

When I was a child we used to go eating out with her twice a year, always at Hotel Dolder in Zurich, my father would already swear on the way there and smoke one cigarette after another in our Opel, my mother would comb my hair with a plastic comb.

We called her Aunt Margit, never Margit, as if Aunt was a title, in my memory she wears suits, buttoned right up to her throat and silk foulards with equestrian designs. She is tall, a huge upper body on thin legs, her crocodile leather bag is bordeaux red with golden clips, and when she talks, about the deer rutting season or about ship cruises in the Aegean Sea, then she moves the tip of her tongue out of her mouth between sentences, like a lizard, she does this like other people constantly play with their hair or touch their noses. I sit as far away from her as possible, Aunt Margit hated children, and while I very slowly pick at my shredded calf’s liver, I look over to her again and again. I want to see that tongue.

After her death we only seldom spoke of her, my memory of those lunches faded away, until in 2007 I read about this Austrian village for the first time. Rechnitz. About a party. About a massacre. About 180 dead Jews, who had to undress themselves first before they were shot, so that their bodies would rot faster. And Aunt Margit?

She was right in the middle of it all.

I call my father and ask him, whether he knew about it. I can hear how he uncorks a bottle of wine and I visualise him, sitting on this old sofa which I like so much, in his flat in Budapest. “Margit had an affair with a Nazi called Joachim Oldenburg, that was talked about within the family”. In the newspaper they say she organised a party and as a high point, ‘for deserts’, lured 180 Jews into a stable and handed out weapons. Everybody was pissed out of their brains. All were allowed to shoot. Margit too. That’s what an English journalist, David Litchfield, is alleging. He calls her “Killer Countess” in the Independent. In FAZ she is called “Hostess from Hell” and Bild-Zeitung is writing: ‘Thyssen-Countess had 200 Jews shot at Nazi-party”.

“That’s nonsense. There was a crime, but I really don’t think that Margit had anything to do with it. She was a monster, but she wasn’t capable of that”.

Where was Margit’s husband, Ivan? Was he at the party too?

“Ivan was my uncle, your grand-father’s brother. While Margit was spending her time in her castle in Rechnitz with Nazis, Ivan was in Hungary. Their marriage was a disaster from the start. She was the German Thyssen-Billionairess and Ivan was the impoverished Hungarian Count.”

Why was Margit a monster?

“Those are old stories”.

Shortly after the war there were several court proceedings. When one reads the witness statements about the Rechnitz massacre, file Vg 12 Vr 2832/45, Vienna County Archive, one gets the following picture: The night of 24 to 25 March 1945 was a moonlit night. In the castle of Margit Batthyany-Thyssen in Rechnitz, Burgenland, Austro-Hungarian border, a Nazi-Gefolgschafts(followers)-party is taking place. Members of the Gestapo and local Nazi greats such as SS-Hauptscharführer Franz Podezin, Josef Muralter, Hans-Joachim Oldenburg are chatting with Hitler Youth and employees of the castle and sitting down at round tables in the small hall on the ground floor. For the National Socialists, the war is over, the Russians are already at the Danube, but this mustn’t spoil their fun. It is eight o’clock in the evening. At the same time ca. 200 Jewish slave labourers from Hungary, who were used for the construction of the south-eastern wall, a gigantic defence wall from Poland, via Slovakia, Hungary and all the way to Trieste, which was to hold up the advancing Red Army, are standing at the train station in Rechnitz. At half past nine in the evening, the haulier Franz Ostermann loads some of the Jews into his lorry and, after a short drive, hands them over to four men from the Sturmabteilung, the SA, who hand shovels to the prisoners and order them to dig an L-shaped pit.

Where are the bodies?

The first time I drive to Rechnitz, it is springtime, everything is green, the fields, the woods, the grapes on the vines are small and hard, Rechnitz is not a beautiful village: one main road with low houses left and right, which have narrow windows and net curtains you can’t see through. There is no centre, no main square, the castle, which the stinking rich German entrepreneur and art collector Heinrich Thyssen signed over to his daughter Margit, our Aunt Margit, in his will, no longer stands.

(Note DL: Heinrich signed the castle over to Margit on 08.04.1938, nine years before his death, but he continued to finance the castle’s overheads throughout the war, during which it was used by the SS and Margit).

The Russians bombed it when they entered in 1945, and the villagers plundered all the furniture, paintings, carpets.

(Note DL: The Rechnitz town historian, Dr Josef Hotwagner, who for some reason Sacha Batthyany is not mentioning in his article, despite interviewing him twice, said there is evidence that the Germans set the castle alight as they left and that some local people, who tried to put the fire out, were even shot by the departing SS. I am also extremely surprised by his allegations of plundering by the villagers. It is certainly the only time I have ever heard such an allegation. Josef Hotwagner’s father and uncle were killed by the Germans for helping families persecuted by the Nazis. Sacha also fails to mention that it was the Batthyany family who originally established the Jewish community in Rechnitz.)

Each year the Refugius association organises a memorial for the murdered Jews. At the entrance to the village, where the Kreuzstadl – a memorial monument – stands, they sing and pray, the crime must not be forgotten, dandelion flowers, the grass is ankle-high, somewhere underneath lie 180 skulls.

(Note DL: These are not just skulls. They are the remains of human beings with children and parents and loved ones).

In the witness statements from the Rechnitz proceedings, file Vg 12 Vr 2832/45, Vienna County Archive, one learns the following:

(Note DL: The Austrians were, in case you have forgotten, part of Nazi Germany. Are you in all seriousness suggesting these people, many of whom still support right-wing extremism, should under these conditions be considered a reliable source of information? Particularly, as Professor Walter Manoschek will confirm, while they still refuse access to various files relating to the atrocity?).

The Hungarian Jews dig an L-shaped pit with shovels and pick-axes, they are tired and weak, the earth is hard, in Aunt Margit’s castle people are drinking and dancing. At about 9 pm SS-Hauptscharführer Franz Podezin receives a call.

(Note DL: Why at this time of night?!  Why didn’t you talk to the Jewish survivor whose details we gave you: Gavriel Livne. Or Gabor Vadasz, who lost his father and uncle in the atrocity, and whom your father may wish to visit, as he also lives in Budapest).

As the noise in the party hall is too great, he has to go into an adjoining room, the conversation lasts barely two minutes, Podezin says: “Yes, Yes!”, and he ends with the words “bloody disgrace!”.

(Note DL: This supports one of the two most popular excuses for the slaughter of Jews. The first is ‘we were only obeying orders’, the second is ‘they had typhoid, so we had to kill them to stop it spreading’).

He orders Hildegard Stadler, she is the leader of the Bund Deutscher Mädel (BDM) (League of German Girls) and Podezin’s lover, to bring ca. ten to thirteen party guests to a room. “The Jews from the train station”, he tells them, “have contracted typhoid and have to be shot”. Nobody contradicts him. The weapons master, Karl Muhr, hands out guns and ammunition to the party guests. It is shortly after 11 pm. There are three cars waiting in the castle courtyard. Not all the people from the group fit into them, some go by foot. It is not far, after all.

(Note DL: Weapons master? This wasn’t a hunting lodge. It was a front line fort full of SS troops that was about to be overrun by the Red Army!).

“It is our duty to remember, so that it does not happen again”, says the catholic priest of Rechnitz in front of the Kreuzstadl, the memorial site, most mourners are wearing a kippah, petrol engines howl in the background, it sounds like a hundred defect lawn mowers, there is high activity on the speed arena ‘Ready to Race’, the nearby cart circuit. It is Sunday, the sun is shining. The inhabitants of Rechnitz stay away from the memorial event,

(Note DL: Were any of the Batthyanys there apart from you? Was Francesca Thyssen there? Sacha did not stay in Rechnitz, but at Bernstein Castle, originally owned by Janos Almasy, fascist sympathiser and Unity Mitford’s lover).

they eat icecream in the icecream parlour, wearing short trousers for the first time this year, only the mayor is present. Engelbert Kenyeri, a portly, friendly man, stands somewhat to one side in his best suit, locking his hands over his stomach. “Of course I would love to know where the grave is”, he tells me the next day in his office, which is much too big,

(Note DL: Too big for what? Or do you believe his status was insufficient for such an office?).

he is different from his predecessor in that he supports the Aufarbeitung of the massacre. “As long as the victims have not been found, the rumours won’t disappear”. Some people say the Jews were thrown into the artificial lake, they were cemented over a long time ago, say others, or are underneath the school’s football pitch. Each year, people with divining rods walk over the fields in zigzags and report strange vibrations. The “New York Times” has been here, so has CNN, the small village in the southern Burgenland is world-famous – but nobody comes for the dry riesling, which is produced here, everybody comes because of the mass grave, which nobody knows where it is. And the villagers keep stumm.

(Note DL: Oh, so it’s their fault, not yours and the Thyssens’. We told you the Russians had already published a full report of the atrocity and where the bodies were buried. Why do neither you nor the Austrian authorities mention this or approach them? Isn’t it interesting that it was an Austrian academic, Stefan Karner, who came back with the news to Eduard Erne that the Russians had destroyed the files?).

The search for the grave is becoming a curse for Rechnitz. In the 65 years since the crime Rechnitz has become a symbol for the way Austria has dealt with its national-socialist past. Whoever says Rechnitz, means blocking out.

(Note DL: So why are you basing yourself on their evidence?).

I call my father. I say to him, you knew that Aunt Margit was there that night, and you knew about the massacre.

“Yes”.

But you never thought that she might have had something to do with it?

“Is this an interrogation?”

I’m only asking.

“No. I never thought that there might be a connection between the party and the massacre, which is what everybody seems to be saying lately. Wait a moment”, he coughs, I can hear how he takes a cigarette out of the packet.

You smoke too much.

“How is the little one?”

She is getting her third tooth, and she is crawling. Why did you never talk to Margit about the war?

“What should I have asked her? Hey, Aunt Margit, do you want some more wine? And, by the way, Aunt Margit, did you shoot Jews?”

Yes.

“Don’t be naive. They were courtesy calls. We talked about the weather, and she sniped at family members. ‘Rotten seed’, she would say, when she spoke about the Thyssens and the Batthyanys who, according to Margit, were all off their heads. ‘Rotten seed’, that was her best saying. Can you still remember her tongue?”

Archives in Russia

The first digs took place as early as 1946, even then all the witness statements about the grave contradicted one another. There was a hand sketch by two Rechnitz villagers who were both sure to know the location: close to a small piece of wood, called the ‘Remise’, that’s where the murdered Jews were said to be buried, but they were not found. There were aerial photographs from pilots of the Royal Air Force, who flew over the area shortly after the war. A grave of that size, with its freshly moved earth, would have been spotted, but the clouds were hanging low, on that day of all days, the view was bad, the photos unusable. Twenty years later the Austrian Interior Ministry (BMI) and the Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge (VDK) (Association for the Care of German War Graves) made a fresh attempt. A certain Horst Littmann led the excavations and found the bones of eighteen corpses at the Hinternpillenacker (name of a field) close to the abattoir. But Littmann did not find the mass grave that he was looking for. What he did find, however, was an anonymous threatening letter on his car window: “If you don’t stop you will soon lie where the others lie too”. In 1990, the Institute for Prehistory and Early History at Vienna University reopened the case. Once again, all the source materials and witness statements were checked over, there were renewed excavations, Margareta Heinrich and Eduard Erne made a documentary film about them. The two film makers banged on every door in the village, they checked out old people’s homes, searched far-flung Russian archives for additional evidence and posted newspaper adverts as far away as Israel: they appealed to anybody who knew anything about the Rechnitz massacre to contact them. Please. Urgently. They researched for five years: yet again nothing. The last earth tests and geo-electrical measurements were taken in 2006, using improved technology and expensive software. Blood-sniffing dogs were also used for the first time, they found animal bones, probably from chickens.

In the witness statements on the Rechnitz proceedings, file Vg 12 Vr 2832/45, Vienna County Archives, it says: Between midnight and three o’clock in the morning the lorry entrepreneur Franz Ostermann drives a total of seven times from the train station to Kreuzstadl, with 30-40 Jews each time, whom he hands over to four SA-men. The Jews are made to undress, their clothes pile up in front of the pit, they kneel down naked on the edge of an L-shaped grave, the ground is hard, the air is cold, it is a moonlit night.

(Note DL: Why did you make no attempt to speak to Jewish survivors?).

Podezin is standing there, Oldenburg too, fanatical national socialists both of them. And they shoot the Jews in the neck. A certain Josef Muralter, nazi party member, shouts, while shooting: ‘You pigs belong into the fire. You traitors of the fatherland!’. The Jews slump and fall down into the earth hole, where they are stacked on top of one another like sardines. In the castle, people are drinking and dancing, somebody is playing an accordion, Margit is young, and she likes having fun, and she wears the most beautiful clothes out of all of them. A waiter by the name of Viktor S. notices that the guests who reappear in the hall at 3 am are gesticulating wildly, they have red faces, SS-Hauptscharführer Podezin, the presumed leader, one moment ago he was shooting women and men in the head, now he dances boisterously.

Not all of the Jews are shot that night. Eighteen are kept alive for the moment. They are given the task of closing the hole with earth.  Grave digger services. Twelve hours later, on the evening of 25 March, they too are killed on the orders of Hans-Joachim Oldenburg, Margit’s lover, and buried near the abattoir at the Hinternpillenacker field. The Eighteen bodies are found in the spring of 1970 by the above mentioned Horst Littmann, exhumed and transferred to the Jewish cemetery in Graz-Wetzl.

Margit’s last evening

My second trip to Rechnitz takes place at the end of summer, the air is murky, the grapes are now red. I visit Annemarie Vitzthum on Prangergasse, she is 89 years old and possibly the last survivor who took part in Margit’s party, 65 years ago. She immerses herself in reminiscences: “I put on my very best clothes, we were sitting at round tables in the small hall on the ground floor, the Count and Countess right in the middle, Countess Margit looked like a princess, such beautiful clothes as she was wearing”. She says that men in uniform were coming in all the time, and leaving the party again, that she can’t remember their names, “it was a hurly-burly”, that’s what she told the public prosecutor as well, in 1947, when she was interrogated. “Everybody drank wine, everybody danced, I didn’t know that sort of thing, I was only a simple girl after all, only the telephone operator.” She says that she was accompanied home by a soldier at midnight and that the Countess had not left the castle by then.

(Note DL: That doesn’t mean she didn’t).

“That about the Jews”, says Mrs Vitzthum, we are eating her home-made apple cake, she says she only learned later on. Terrible. “The poor people, they say they were only bones”.

I visit Klaus Gmeiner. He was Aunt Margit’s forrester and was the last person to see her alive. Margit owned 1000 hectare of land in Rechnitz, and every year she came to hunt,  deer, wild boar, small game, “she was an excellent shot, an experienced Africa-hunter”, stag antlers hang on the wall of Gmeiner’s office, “she was very happy when she killed something, a mufflon ram or a deer, she was never happier”. Gmeiner, who like so many others in the village raves about Margit, says that in all those years they never once talked about the Nazi-period. They are in awe like subjects of a queen: that she was so generous, so friendly, so religious, so beautiful, she most certainly has nothing to do with the massacre. “We were hunting”, he recalls the night before she died, “she hit the mufflon with a precisely calculated shoulder shot”. He says the animal staggered another twenty, maybe thirty paces in her direction, he remembers it very well, only then did it fall down. “We said ‘Weidmannsheil’ (‘have good sport’) to one another and drank a little glass of wine in the hunting lodge. He still remembers – and Gmeiner’s voice, normally strong and full, starts breaking up, how she was complaining that night about many people asking her constantly for money. “That was her last sentence”. The next morning she didn’t come for breakfast. Klaus Gmeiner went up, 15. September 1989, and banged on her door, 10:15 am, Margit’s eyes were closed. Heart failure.

(Note DL: You told us he confirmed the fact that people were given land and money to keep them quiet. Not because she had a big heart!).

“How was Rechnitz? Did you find out anything?”, my father asks me on the phone. He sounds tired, a few weeks ago a young dog strayed into his house, he won’t leave his side, maybe that’s why. The people in the village called me Count, it’s strange. In Switzerland many people think that Batthyany is an Indian name, so they speak to me very slowly and overly clearly on the phone. And in Burgenland they almost curtsey to me. I prefer to be Indian.

“I don’t like that behaviour either”.

Witnesses allege that Margit’s husband Ivan, your uncle, was also at the party.

“In the family, they always said that he had been in Hungary that night”.

(Note DL: This makes it sound as if you want to cast some doubt as to Ivy’s presence. If you know so much about Margit, how come Ivy is so veiled?!).

I’m starting to think that everybody is manipulating the story for their own ends. The family doesn’t want to be drawn into it and withdraws. The media want the headlines of the blood-thirsty Countess, who massacres Jews, and the inhabitants of Rechnitz want to swipe the whole thing under the carpet. For them Aunt Margit is a holy woman – whoever talks about her, starts to weep.

“And what do you want?”

(Note DL: You know what I want? I want you to say sorry for your family’s involvement and silence. To display some remorse for such a crime. Unfortunately, this reads like a text-book example of damage limitation and guilt containment).

From Hell to Heaven

My father fled Hungary together with his parents in 1956, he was 14 at the time. “I am in Budapest and I see dead horses in the street”, since I was a boy, he always started the story of his flight with this sentence, and he told it often. “With two rucksacks we cross the border into Austria and travel on from there to Switzerland”. Joining Margit and Ivan, who took them into their home, Lugano, Villa Favorita, at the foot of Monte Bre: Heaven itself. “A driver was waiting for us at the station, I am taken to a room, I feel feverish, next morning I wake up, the sun shines directly onto the bed, there are palm trees in the garden, then Ivan comes in, my uncle, he asks me whether I would like to go for a ride in his Ferrari, and I’m thinking: Am I in Heaven?”

(Note DL: And how does he think the family and friends of the 180 Jews feel?).

In the protocols of the Rechnitz proceedings, file Vg 12 Vr 2832/45, one can read: Seven people are indicted with mass murder and torture, respectively crimes against humanity. Josef Muralter, Ludwig Groll, Stefan Beigelbeck, Eduard Nicka, Franz Podezin, Hildegard Stadler, Hans-Joachim Oldenburg.

(Note DL: But not one Thyssen or Batthyany. So that’s all right then. You can all sleep easily at night).

But the proceedings stall, because the two main witnesses are murdered in 1946. The first one is Karl Muhr: weapons master at the castle. In the night of 24 March, he hands over the guns and looks into the faces of the people who later committed the crime. One year later Muhr lies dead in the woods with a bullet through his head next to his dead dog – his house goes up in flames, the cartridge, which the police found at the scene of the crime, disappears. The second one is Nikolaus Weiss: an eye witness. He survived the massacre, flees and hides with a Rechnitz family in their barn. One year later he is travelling to Lockenhaus, his car is shot at and starts skidding, Weiss is dead on the spot. Since these two lynch-law killings the people of Rechnitz live in fear of reprisals. Nobody talks. The silence lasts to this day.

My father owes Margit a lot. She made it possible for him and his family to flee, she paid for his boarding school in St Gallen, later for his studies at the Swiss Federal Institute of Technology (ETH), he was indebted to her, that was the reason for the courtesy visits at Hotel Dolder. He would never have scorned her, although he suffered when he had to visit her. He would never have asked her uncomfortable questions.

The files of the proceeding read: On 15 July 1948 Stefan Beigelbeck and Hildegard Stadler are both acquitted according to paragraph 259/3 StPO. The accused Ludwig Groll is sentenced to eight years hard labour, Josef Muralter to five years and Eduard Nicka to three years. Podezin and Oldenburg, the two presumed main perpetrators, have fled. It is said that they have taken lodgings with Countess Batthyany-Thyssen in Switzerland, in a flat above Lugano. Interpol Vienna informs the Lugano authorities by telegram dated 28.08.1948: “There is the danger, that the two will flee to South America. Please arrest them”. The arrest warrants against the two evaders are published in the “Swiss Police Gazette”, page 1643, art. 16965 on 30.08.1948. But both have already left by then. In his concluding summary the Austrian public prosecutor, Dr Mayer-Maly, who was charged will clearing up the Rechnitz massacre, says: “The true murderers have not yet been found”.

Prefered horses to children

Aunt Margit was not just “rich”. She was infinitely rich. The Thyssen family, who she is said to have slagged off constantly, the ‘rotten seed’, has profited financially from the Second World War, from the coal of their Walsum pit, from steel, from banking. Margit had houses in Switzerland, Rechnitz and in Canada, as well as the apartment ‘Le Mirabeau’ in Monte Carlo – probably for tax reasons – on the terrasse of which I used to watch the sea and the racing track through the binoculars as a child. Like many rich Germans with shady pasts she too owned a hacienda in Uruguay with 2800 hectares of land and in Mozambique she owned the Mafroga estate, where a certain Günther-Hubertus von Reibnitz used to stay, a Baron – and a former member of the Waffen-SS.

Margit lived a life of luxury. She had countless affairs, her husband Ivan knew about it and he received nice sums of money for each of his wife’s bed-stories, in order to keep appearances, that’s what they say.

(Note DL: And Heini Thyssen claimed that Ivy fathered his first child!).

Because for Margit divorce was impossible, she was a devout catholic. Several times a year she undertook big trips, she loved the hunt and hunting parties even more and quite liked the one or other Kir Royal. But it was her horses that made her happier than anything else. Margit was Germany’s most successful horse breeder,

(Note DL: Nonsense. She ran Erlenhof into the ground. Also, the Thyssen family had “bought” it from its original Jewish owner, Moritz James Oppenheimer).

Nebos, her best stallion in her stables was racehorse of the year 1980 and famous for regularly snatching victories on the last furlongs. Margit had a closer relationship with Nebos than she did with her two children, Ivan, named after the father, and Christoph, called Stoffi. When her son Ivan died in a plane crash between Vienna and Lugano, she did not shed a single tear, an anecdote which gets told every year in my family. Margit did not know the concept of motherly love – she never embraced the two.

But she was generous. Aunt Margit gave money not only to my father and grand-parents, but also to other relatives. When she stayed in Vienna, she always ate at the Hotel Sacher, and many people from the family queued up with high hopes. She was also open-handed with her employees. She guaranteed her forester Klaus Gmeiner a life-long position. She donated a piece of woodland to the community of Rechnitz, which was later developed. And her former castle servants received plots of land, which was confirmed to me by Theresia Krausler, a former maid. “We all got something. Houses. Land. The masters gave things to all of us, nobody can complain. I still have one of Countess Margit’s dresses in my case, a velvet suit with little ties”. Aunt Margit turns peasant girls into land owners, for decades they lived without running water, suddenly they had a little piece of garden, a garage, a ballroom dress with little ties – they will never forget this. Every year “The Countess Margit” donated the Christmas tree on the Rechnitz main square, “she was a wonderful soul”, Mrs Krausler says with tears in her eyes, in her sitting room outside the village, a cuckoo clock is ticking on the wall.

(Note DL: You told us she had bought people’s silence, so why don’t you say it now?).

“The dog is crazy”, my father says on the phone. “He is uncontrollable. In the car he jumps to the front and sits on my knee. How is your article about Aunt Margit going?”

(Note DL: Still avoiding mentioning Ivy?).

It seems that information is starting to circle around that I’m writing about her. I received telephone calls from relatives, whom I have never seen. They say: “Why wake up old ghosts?” They believe it would do more harm than good.

“And what do you tell them?”

I answer: Working throught the past (Vergangenheitsbewältigung) is only possible, if one recounts again and again what has happened. Of course this sentence is not from me, its a quote from Hanna Arendt. Do you also think that there’s no point in doing the article?

“No. But I doubt that our relatives know anything”.

But that’s the point. Nobody knows anything because nobody ever asked. You all knew about this massacre, and you knew that Aunt Margit was there. But you were too polite to ask. You didn’t want to upset your chances with her.

“Hold on”. I hear the sound of a lighter, a little swishing, I think he must have dropped the handset, then his voice comes back on: “Are you still there?”

Of course I’m still here. It’s the money, isn’t it? It made all of you silent. Aunt Margit paid, and that’s why she had the power. She decided what would be talked about – and what would not be talked about. You are like the people of Rechnitz. Aunt Margit, without wanting to, had all of you in her hands.

Flight to South Africa

Margit was only questioned once by police about the massacre, that’s what the Swiss State Security File, entry C.2.16505 says too. On 07.01.1947 she made the following statement at the criminal section for Vorarlberg in Feldkirch: “Neither my husband nor I ever left the party. The next day, in the morning, I noticed a car that was loaded with clothes. I was told that Jews had been killed during the night, roughly two kilometers from our castle”. During the interrogation, she is also asked about Hans-Joachim Oldenburg, one of the alleged main perpetrators: “Oldenburg was at the castle all night long”, she says, “I can assure you that he had nothing to do with the matter”. She protects him, her lover, because Oldenburg has been seen by witnesses at the massacre. On 11.11.1946 she writes to her sister Gaby in crowded hand-writing: “So as not to be obvious, I have agreed with Oldenburg, that he will first of all go to South America on his own for two years. I am expecting to receive visa for him, what do you say?”. Two years later another letter to Gaby: “Oldenburg has a fantastic offer to go to Argentina and join the biggest dairy farm. He will be there by August”. She helped him flee, the alleged mass murderer, Oldenburg would come back to Germany only in the sixties, when he settled near Düsseldorf.

(Note DL: Tell me, exactly what did this huge family of yours do during the war?).

The other main perpetrator, SS-Hauptscharführer Franz Podezin, ducked down after the war in 1945 in the western occupation zone, and later worked as an agent for them in the GDR. He too came back to the West and moved to Kiel. Everybody who met Podezin, a convicted Nazi through and through during the war, described him as ice-cold and coarse. He lived in Kiel a very inconspicuous life as an insurance broker. He too will be helped to flee later on by Aunt Margit. When the public prosecutor of Dortmund in 1963 finally manages to open proceedings against Podezin for mass murder, he flees to Denmark and then from there, without problems, to Switzerland, to Basel, from where he blackmails Margit and Oldenburg: They must give him money for his flight, otherwise he will “drag” both of them “through the mud”. Sender: Hotel Gotthard-Terminus, Basel, Centralbahnstrasse 13. Podezin was last seen in Johannesburg, South Africa, where he lived quite officially as a tenant of a certain Josef Helmut Hansel, 74 Clifford Avenue, Limbro Park, not far from the Alexandra-Townships. I call.

Of course it’s naive, Podezin, born 1911, has surely been dead for some time – but what if he does pick up? What should I ask him? Where is the mass grave? What does Aunt Margit have to do with it? It rings, for a long time nothing happens, then: “Hello?”, a woman’s voice. “Yes, I did know Mr Podezin, a nice guy, very well read”, says Anette Wilkie in German, the daughter of Mr Hansel, with whom Podezin rented his flat. “ He was sporty and always dressed elegantly, at the end he had problems with his hips, poor man, he was limping”. Podezin, she says, had a camper van and many friends on the coast, he worked for a company called Hytec, hydraulic instruments, valves, pumps, which are used in construction sites in order to evacuate water.

Pits and graves – of course they were Podezin’s speciality.

The company that he worked for, Hytec, still works today with the German company Thyssen-Krupp. Whether Aunt Margit, nee Thyssen, helped him flee in the sixties and then also procured him the job in South Africa? Whether Ivan and Margit visited him there, after all they often went on Safari there, her ‘Africa-Room’ in her villa in Lugano was always crammed full of buffalo horns and ivory. “Mr Podezin left a box behind with private things”, says Anette Wilkie on the phone, “I kept it, in case somebody should call one day. Wait a moment please”. Steps. Silence. More steps. “There are pictures from his time in Africa and a few old clothes with a company logo. Nothing else”. Podezin died in the mid nineties,  according to Anette Wilkie three, four friends appeared at Hansel’s house for his funeral, all dead now, all German, who emigrated to South Africa after the war and met up once a week to play cards. Probably Skat.

Jewish propaganda

It is the end of autumn when I travel to Rechnitz for the last time. It is foggy, the houses, fields, the sky, everything grey, the grapes have been collected a long time ago. I join a family meeting.

(Note DL: Where? In Rechnitz? What about the house your family still own in Lugano, where another of your aunts first told you it was all a Jewish conspiracy, or that’s what you told me.).

Aunts, uncles, people whom I hardly know, we sit on long wooden tables, the massacre brings us together. Most of them can still remember Margit and Ivan very well, their travels, their houses, Margit’s horses, Ivan Batthyany’s vanity, and the longer I sit at this table, the more comfortable I feel. The way they all talk, their jokes, the old furniture, the porcelain, the silver sugar bowl – everything familiar.

“What the newspapers write is nonsense”, say the older ones, Elfriede Jelinek’s theater play “The Exterminating Angel”, which deals with Rechnitz and Margit, also presents a wrong picture. Margit, they say, has nothing to do with the massacre, “she was not much liked, that’s true, and was submissive to men”, she is said to have been sex-mad – but a murderer? “Certainly not”. And I nod my head, we all nod our heads, and when one person in the round, an older man, who welcomed me very nicely, although we didn’t know each other, and who looks so nice with his white hair, talks about Jews, about Jewish propaganda, everybody stops listening and they behave as if they can’t understand what he is saying. I too remain silent. I don’t contradict him either, when he says: “Maybe the massacre never happened?”

(Note DL: Funny, you told me on more than one occasion that pretty much all your family were convinced it was a Jewish conspiracy!).

We drink black tea and eat ham sandwiches. Everybody at the table is now talking loudly on top of everybody else, about the grave, about the search, the younger ones ask questions, the older ones evade them. “What’s the point of it all?” – “What for? – “What’s it got to do with us?” Shaking of heads. Silence. “More tea anybody?” Silence. “Enough has been written about the crimes committed on Jews already”, the old man defends himself, “the crimes of the Communists were just as bad”, and again everybody stops listening, nobody responds, “Jelinek is also a Jew, that’s why she writes this crap”. People make jokes, and everybody laughs, and I too laugh, as you laugh and nod in a family, two hours later we say our good-byes.

(Note DL: Jelinek is not Jewish!!).

Once again I get embraced very fondly, these people, this furniture, these cups, everything so familiar, “take good care of our family’s name”, one uncle says to me, who was silent all night long, “you must not disgrace it”. He touches my skin almost tenderly and puts his hand on my cheek, as my father always does it, it’s only later in the car that I feel miserable. There were many reasons why nobody talked to Aunt Margit about the massacre: blocking, laziness, the money.

And indifference.

Because the victims were “only” Jews, many people today still don’t concern themselves with this crime. I call my father and ask him what he thinks of that theory.

“No, I don’t think so”.

So why these remarks at the family meeting about the Jews and about Jelinek?

“He compared the crimes of the Nazis with the crimes of the Communists. It doesn’t make much sense, but it’s legitimate”.

I am reminded of meeting an old man in the restaurant car travelling from Zurich to Vienna,   and speaking to him about my article at some length. His attitude was that the Jews would have died anyway, whether in the concentration camp or in this massacre – or of hunger. Before he left the train in Salzburg, he said to me: ‘What does it matter?’ and looked at me in a very puzzled manner.

“Will you be mentioning the family meeting in your article?”, my father asks me, “that will create bad blood”.

I don’t know yet.

(Note DL: You certainly haven’t written here what you told me you had discovered).

He who remains silent makes himself guilty

I am standing in front of Aunt Margit’s grave and am trying to remember her face, but I’m not able to. The wind is taking the last leaves off the tree, it is the middle of November, a few sun beams have fought their way through the overcast Ticino sky – and for a short moment Lake Lugano starts to shimmer. After all the meetings I am sure:

Aunt Margit did not shoot during that moonlit night of 24 March 1945. She did not murder Jews, as the English journalist David Litchfield and all the newspapers allege. There is no proof. There are no witnesses.

(Note DL: And author. I spent fourteen years writing ‘The Thyssen Art Macabre’ which you have yet to read. And how about Ivy and what about the witness statements that she liked witnessing the torturing and beating of Jews? So exactly what was it that she paid everyone to keep quiet about? Why did your family hide it and then say it was a Jewish conspiracy? What exactly have they been hiding?).

At midnight, Aunt Margit did not stand in the cold in front of that pit, where the naked men and women kneeled down in rows. She was laughing and dancing at the castle, when the emaciated bodies fell down and into the ground, she laughed and danced with the murderers, when they returned to the castle at three o’clock in the morning, while outside the murdered Jews were heaped on top of each other in a pit like sardines, somewhere in Rechnitz.

And while the 180 bodies were rotting, Aunt Margit travelled on a cruise ship through the summer-blue Aegean every year, drank Kir Royal in Monte Carlo and hunted deer in the autumnal woodlands of the Burgenland.

Aunt Margit enjoyed the rest of her long life, although she knew everything about the massacre. Rotten seed.’

(Note DL: And Ivy? And your father, who profited from her smelly money? Not once in this whole damage limitation and guilt containment exercise do you say what an appalling atrocity the Rechnitz massacre was! Even Georg Thyssen admitted this to the Jewish Chronicle, while your aunt Christine Batthyany in Hamburg and Professor Wolfgang Benz in Berlin were denying it ever happened).

End of Translation (copyright Caroline Schmitz)

Margit Batthyany-Thyssen

Margit Batthyany-Thyssen

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Thyssen Truth Must Come Out Before More Tax Money Goes In (by Caroline Schmitz)

I recently came across an article about August Thyssen in the summer series on famous scions of the Lower Rhine region, published by the Rheinische Post newspaper, under the promising headline ‘A Globaliser From The Start’. But it contained the sentence ‘After the World War, August Thyssen lost his foreign participations’. As somebody who has studied the Thyssens for some fourteen years now, it was the kind of throw-away remark that sharply reminded me once again of the systematic manipulation of history that has accompanied this dynasty’s personal and corporate affairs for a very long time.

If you wish to get a very basic idea of what I’m talking about, go to German Wikipedia and check out the entries for Alfred Krupp, Hugo Stinnes, Friedrich Flick and August Thyssen; all four legendary German industrialists of similar status and place in history. Krupp warrants 5 illustrated pages, Stinnes 11, Flick 10, but Thyssen barely manages to make three quarters of a page! Why should this be so? The chief publicist and archivist of ThyssenKrupp, Professor Manfred Rasch, is more than capable of producing lengthy features on the founder of the Thyssen empire at opportune moments in local publications, such as Westdeutsche Allgemeine Zeitung, which are hugely sympathetic to the image of a company that still remains one of the major employers in the Ruhr area, as well as far beyond. So why does he not ensure that extensive and accurate information is available on a more general level?

The answer is: because there are many black holes in this dynasty’s history which would be too difficult to broach. Instead, gloss-overs and simplifications have been produced over the years by the official guardians of the Thyssen legacy and reproduced by unwitting journalists and historians. But even the most consistently spin-doctored histories are eventually bound to come unravelled. This is particularly true in times of bust such as today, when money becomes scarce and people re-examine their loyalties; as long, of course, as they can enjoy the freedom of democracy rather than being forced into the shackles of authoritarian rule so admired by the likes of Ecclestone, Mosley & Co.

One reason why the Thyssens have always purported to have ‘lost everything’ in the war (for the family members tend to ‘go the extra mile’, insisting all was lost, not just the foreign assets) is to excuse their involvement in arming the German Empires of Kaiser Wilhelm II and Adolf Hitler respectively. If it were shown that they actually profited from those regimes, the Thyssens would receive far less sympathy and respect than they do when portrayed as the sacrificial victims of the conflicts, who had to rebuild their fortunes each time from scratch by the sweat of their own brows. The latter being very much the picture painted on the new website of the Thyssen-Bornemisza Museum.

In actual fact, while other industrialists were punished for their support of the Reich, the Thyssens were not. They were even compensated for their losses. After World War I, this included their Lorraine ore mines and steel works, which the French insisted they give up. Heini Thyssen himself admitted to David and myself that far from his family losing, for instance, his grand-father’s Brazilian interests after 1918, he was able to liquidate some of them in the 1970s at vast profit. Despite such good fortune, ‘foreign assets’ have always been a particularly contentious issue in the Thyssen historiography, not least because this most quintessential of German dynasties, whose name still remains one of those inextricably linked with the fatherland’s deepest sense of national prosperity, honour and pride, has continuously reaped the benefits of German industry, while simultaneously refusing to admit allegiance to the country.

While the destruction of August Thyssen’s personal files after his death in 1926 ensured the public could never realise that this supposed German patriot had in fact moved his ultimate ownership structures abroad before 1914, a more overt public relations exercise was necessary after 1945 when the magnitude of the Nazis’ criminal activity came to light. That is why official communiques began to over-engineer Heinrich Thyssen’s cosmopolitan credentials, giving assurances that he ‘had distanced himself from Germany as a young man’, that he ‘became a Hungarian in 1906’, that he ‘gained a doctorate in philosophy in London’ and that he ‘settled in Switzerland in 1932’. On closer inspection even of the official sites, however, inconsistencies soon start to appear for all of these claims.

As far as Heinrich’s nationality is concerned, ThyssenKrupp AG has for some time now resorted to the line: ‘He kept his Hungarian citizenship until he died, but nevertheless acted ‘deutsch-nationally’ at times in the 1920s and 1930s. For this vague statement to be allowed to paraphrase the activities of such an important (if shielded) figure of 20th century history is quite simply astonishing. And of course it can in no way explain how German works owned by Heinrich Thyssen were still able to claim war damages from the allied government for Germany in 1946 on the basis of Heinrich being ‘a German abroad’. The fact is: Heinrich Thyssen lived in Lugano from 1938 (not 1932! – more of this later) until his death in 1947, controlling his German interests with the help of visiting managers and this makes him somebody who acted ‘deutsch-nationally’ (if this is what you want to call it), throughout Hitler’s time in power and beyond.

Turning to Heinrich’s academic title: the assertion of a doctorate in philosophy gained in London is pure fabrication. That is why it does not appear on the German websites, where it is clear and very acceptable to people that the doctorate was gained in Germany in the field of natural sciences. It is, on the other hand, very much emphasised in Spain, where the government’s expenditure of in excess of $600 million dollars on the Thyssen-Bornemisza art collection seems to make it imperative to stress the founder’s alleged cultural and specifically non-German credentials.

Here on www.museothyssen.org, we also find echoes of Francesca Habsburg‘s recent attempts to designate August Thyssen as the true founder of the Thyssen-Bornemisza Collection (even to the extent where a recent museum web-incarnation called him ‘August Thyssen-Bornemisza’!), thereby rebranding the whole dynasty as the art collectors she would like them to be (making her fourth in a row) rather than the industrialists and bankers that they really were. But the official website of the Thyssen-Bornemisza Museum also makes another announcement: ‘We know the collection was installed at Rohoncz Castle before Heinrich abandoned Hungary in 1919’. This is particularly worrying as the comprehensive catalogue of the museum squarely confirms the documentation in the Thyssen Archives showing that the first purchase made for the collection was in 1928 (unless that too has now been re-written!)

The smoke and mirrors at Museo Thyssen continue: ‘It is through the correspondence between August Thyssen and Auguste Rodin, namely in a letter from 1911, that we can see that August’s son Heinrich had by that time started his collection’. We have researched the same letters during the writing of our book but never came across anything that would confirm this. The official line basically intimates that with his transformation into a ‘Hungarian aristocrat’ in 1905 (the real dated being 1906-07), Heinrich Thyssen had also, somehow, acquired an art collection.

What seems clear to me is that people in charge of that museum are finally realising that they have a particularly grave problem on their hands. However, not knowing what to do about it, their inability to address serious issues breeds insecurity and confusion. That’s why another sentence has been added to the website: ‘We have few details about the first years of the collection’. While I guess it would be unfairly over-stressing the point if one reminded the Spanish tax payer once again, how much money he contributed and is still paying to the Thyssen Museum, the indelible facts concerning the early history of the collection are these: the Thyssen Collection was never at Rohoncz (Rechnitz). It was only named ‘Rohoncz Collection’ by Heinrich Thyssen with the specific aim of making it sound like an Austro-Hungarian heirloom. Unbelievably, the public as well as the media have bought this fiction decade after decade.

The staff of Frankfurter Allgemeine Zeitung got equally confused in October 2007, when they ran David’s piece on Heinrich Thyssen’s daughter, Margit Batthyany, and her involvement in the murder of 180 Hungarian Jews at Rechnitz Castle in March 1945, which had been published two weeks earlier in The Independent. None of the many continental journalists and historians who subsequently busied themselves in denigrating our work, such as Anja Seeliger of Perlentaucher fame for instance, actually figured out that the reason why the two features were markedly different was not only because of overt censorship in Germany, but also because staff at FAZ saw fit to fact-check the article – the fruit of 14 years of research – against the grossly inaccurate (ThyssenKrupp AG / Museo Thyssen / Thyssen Family) Gospel According to Wikipedia, the same Wikipedia that has rejected our corrective suggestions outright.

Back at Frankfurter Allgemeine: out came 1938 as Heinrich’s settlement date in Switzerland, in went 1932 (to ensure that Heinrich’s presence in Germany after Hitler’s ascension to power could be denied). Out went the proviso that the collection was never at Rohoncz, in went the age-old phrase that it was housed there. Out came our statement that the Thyssens acquired the Erlenhof stud farm from the liquidators of the persecuted Jew, Moritz James Oppenheimer, in 1933. In went the fabrication that Heinrich Thyssen’s business empire was completely separate from August or Fritz Thyssen’s empire. While we are grateful to FAZ for publishing the feature, this type of inaccurate ‘editing’ of copy in a newspaper of such quality should be of concern to everyone.

And even today, two years after the publication of our book, the Spanish museum continues to insist that ‘Heinrich Thyssen’s enterprises were completely separate from the German steel industry’, when even ThyssenKrupp’s website has been admitting for a while now that Heinrich owned the Press- and Rolling Works Reisholz and the Oberbilker Steelworks, both plants that produced canon for Adolf.

Spain is also still holding on to the idea that Heinrich was ensconced in Switzerland from 1932 onwards, where he ‘opened the doors of his gallery to the public in 1936’. Apart from family archival evidence, Heinrich’s own war-time curator, butler and companion, Sandor Berkes, assured us that the gallery building remained unfinished until 1940 and was only opened to the public in 1948. As can be seen from the picture above, far from being locked away in his Swiss villa, in 1936 Heinrich was, amongst other things, happily socialising at the German Derby with his personal friend Hermann Göring, whom he also assisted with personal and Reich banking facilities.

With a background of such systematic disinformation, it does not come as a surprise that the personal assertions by Thyssen family members are also becoming more and more ‘retrograde’. Francesca Thyssen is quoted as explaining to the Austrian ‘News’ Magazine in November 2008 (available in hard copy version only, not online!): ‘Of course my great-uncle (Fritz) was truly deeply enmeshed in Nazi-crimes, that’s no secret. That’s why my grandfather (Heinrich) took the name Bornemisza from his wife, because he left this whole family. Because he wanted to be different and wanted to leave this family’. Or, in other words: Heinrich Thyssen foresaw the coming of the Third Reich by 27 years!…

I can understand that the various guardians of the Thyssen legacy would feel the need to rewrite the unacceptable history of this family. But I do not appreciate the fact that journalists, historians and those who should know better continue to encourage the belief in facts which they know to be untrue or should admit to be so since the publication of our book. As far as the Spanish public in particular is concerned, which is at this very moment being told by Guillermo Solana, the director of the Thyssen-Bornemisza Museum, that new gallery space is urgently needed in Malaga and Sant Feliu de Guixols because the Madrid museum is ‘running out of space’, I feel the time has come to tell him that before any more tax funds are poured into Thyssen projects, the Thyssens might be more truthful about their past and that of the collection, while the Spanish government must admit how much they have and are paying the Thyssens for the display and storage of their paintings.

Celebrating the victory of Erlenhof's 'Nereide' at the 1936 German Derby. At the centre of the picture are (to the right) the winning horse's owner, Heinrich Thyssen (in grey top hat) and (to the left) his friend and associate Hermann Göring (in white suit to the left) (photo: Tachyphot Berlin, copyright: David R L Litchfield

Celebrating the victory of stud farm Erlenhof's 'Nereide' at the 1936 German Derby. In the centre of the picture are (to the right) the winning horse's owner, Heinrich Thyssen (in grey top hat) and (to the left) his friend and associate Hermann Göring (in white suit) (photo: Tachyphot Berlin, copyright: David R L Litchfield)

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