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Offener Brief an Janine Rumrich vom Literaturblog “Kapri-ziös” über Sacha Batthyany: “Und Was Hat Das Mit Mir Zu Tun?”

Sehr geehrte Frau Rumrich,

Anmerkung zu Ihrem Blogeintrag:

http://kapri-zioes.de/2505/und-was-hat-das-mit-mir-zu-tun-ein-buch-von-sacha-batthyany/

– Am 77. Jahrestag des Überfalls der deutschen Wehrmacht auf Polen –

Völker gibts, und Herrscher. Kriege passieren nicht, weil Völker einander hassen. Sie passieren aus der Profitgier der Mächtigen heraus. Fragen Sie sich bitte: gehört Sacha Batthyany zu den Völkern, oder gehört er zu den Herrschern? Die Batthyanys hatten in Österreich-Ungarn über Jahrhunderte das Sagen. Auch in Rechnitz. Und zwar in feudalem Stil. So etwas gewöhnt man sich nicht so schnell ab.

Der Autor profitierte ausserdem vom Geld der eingeheirateten Thyssens. Diese waren Waffenfabrikanten und Bankiers, ohne die Hitler seine Pläne nie und nimmer hätte verwirklichen können. Dann lässt er zu allem Überfluss auch noch sein Buch von der Goethe-Stiftung Zürich „großzügig unterstützen“. Diese verwaltet die Hinterlassenschaft des Emil Bührle, auch er ein „großer“ Waffenfabrikant. Ist es wirklich nötig, dass die Herrscher die Völker so sehr demütigen? Anscheinend schon. Nur weil wir angeblich in einer Demokratie leben heisst das noch lange nicht, dass die Systeme der vormals Herrschenden nicht weiterhin anhalten.

Am Schlimmsten jedoch dies: „Könntest Du das, Juden verstecken?“. Und dann seine Antwort: „Nein“. Er sagt nicht, wie Sie es verstanden haben: „Hättest Du DAMALS den Mut gehabt, einen Juden zu verstecken?“. Er sagt: KÖNNTEST Du das, Juden verstecken?“. Also im Hier und Jetzt. Aber 1.) Warum sollten wir dies nicht können? Wir leben in einer Demokratie und nicht mehr in einer Diktatur. Was also haben wir zu befürchten? Und 2.) Warum sollten wir Juden verstecken? Ist es denn schon wieder so weit?

Ich habe manchmal das Gefühl, dass Herr Batthyany gar nicht weiss, was genau er seinen Lesern eigentlich mitteilen will. Ich hoffe nur, die Lehren, die aus seinem Buch gezogen werden, sind am Ende nicht die Falschen.

Hochachtungsvoll,

Caroline Schmitz, www.davidrllitchfield.com

 

Literatur-Bloggerin Janine Rumrich, Thüringen und Sachsen

 

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Buchrezension: Thyssen im 20. Jahrhundert – Band 1: “Die Vereinigte Stahlwerke AG im Nationalsozialismus, Konzernpolitik zwischen Marktwirtschaft und Staatswirtschaft”, von Alexander Donges, erschienen im Schöningh Verlag, Paderborn, 2014.

Dieses Buch über das “Gemeinschaftsunternehmen zu dem Unternehmen der Thyssen-Gruppe zählten” beginnt mit der Aussage des Autors, es sei “erstaunlich, dass sich die moderne unternehmenshistorische Forschung noch nicht intensiver mit der Entwicklung des Konzerns in den Jahren 1933 bis 1945 auseinandergesetzt hat”. Offensichtlich wurde die in unserem Buch enthaltene, unabhängige wissenschaftliche Information nicht anerkannt, obwohl sie Auslöser dafür war, dass Dr. Donges und seine akademischen Kollegen mit dem Umschreiben der Thyssen Geschichte beauftragt und dafür gefördert wurden.

Erst in der Mitte des 400-Seiten schweren Traktats rückt er schließlich damit heraus, dass die Vereinigten Stahlwerke (VSt, Vestag) massiv im Rüstungsgeschäft tätig waren, aber dass “in der Forschung (dies) bislang nicht hinreichend beachtet (wurde), sodass die Vestag im Gegensatz zu Unternehmen wie dem Krupp-Konzern eher als Roheisen- und Rohstahlproduzent wahrgenommen wird”.

Die Entscheidung, wie man auf solche ganz offensichtlich manipulierten Behauptungen reagieren soll fällt schwer und wir fragen uns, ob es Dr Donges jemals in den Sinn gekommen ist, dass die Dimensionen der bisherigen fälschlichen Darstellung so bedeutsam sind, dass der Schluss auf der Hand liegt, dass sie nicht zufällig sondern absichtlich zustande kam.

Da die Thyssens zusammen mit dem Deutschen Staat zu Beginn von Hitler’s Diktatur 72,5% der Vereinigten Stahlwerke kontrollierten, und deren Ausstoß drei Mal so groß war wie der ihres größten Konkurrenten, war es stets unlogisch, dass Alfried Krupp im Nürnberger Prozeß zu einer Haftstrafe verurteilt wurde, während die Thyssens ungeschoren davon kamen. Sie konnten dies aus vielen verschiedenen Gründen, die in unserem Buch ausführlich beschrieben werden, und so wurde der Mythos ihrer heldenmütigen Unbeflecktheit erschaffen.

Es ist offensichtlich, dass die akademische und die Medienwelt in Deutschland willens waren, diesem Mythos zu folgen statt ihn zu hinterfragen, wie wir es getan haben. Zu ihrer Verteidigung mögen sie anführen, dass sie gewisse Dokumente nicht einsehen konnten und ihre Forschungen dadurch behindert waren. Doch während die Archive der Thyssen-Bornemiszas tatsächlich bis vor kurzem für die akademische Welt unzugänglich waren, bestand für die Akten des 53-Jahre alten ThyssenKrupp Archivs keinerlei Zugangsbeschränkung (offiziell jedenfalls nicht; die Wahrheit steht auf einem anderen Blatt).

Als Georg Thyssen-Bornemisza ca. 2006/7 die Stiftung zur Industriegeschichte Thyssen ins Leben rief und ihr die Archive seines Vaters übergab (welche wir zuvor privat in Madrid und später in Monte Carlo eingesehen hatten), unterstellte er diese der fragwürdigen Pflegschaft von Prof. Manfred Rasch, Leiter des Archivs der ThyssenKrupp AG und sogar, so scheint es, zur Aufbewahrung im selben Gebäude in Duisburg, welches das ThyssenKrupp Archiv enthält.

Dieser erstaunliche Transfer hatte zur Folge, dass die Akten der Familie Fritz Thyssen mit den Akten der Familie Heinrich Thyssen-Bornemisza symbolisch vereinigt wurden; ein unglaublicher Akt, wenn man bedenkt, wie wichtig es für die Aufrechterhaltung des geschichtlichen Thyssen-Mythos war, stets zu betonen, dass die eine Seite der Familie mit der anderen Seite nichts zu tun hatte – ein Mythos, den die drei ersten Bücher dieser Reihe nichtsdestotrotz weiter fortsetzen.

Bei näherer Einsicht der Bestände, jedoch, scheinen kuriose interne Restrukturierungen der Akten in den beiden Archiven vorzugehen. Da sind zum einen wichtige Akten, von denen wir wissen, dass sie vormals im ThyssenKrupp Archiv waren, wie z.B. (erstaunlicherweise) der Nachlass von Wilhelm Roelen (Hauptmanager von Heinrich Thyssen-Bornemisza) oder der Nachlass von Robert Ellscheid (Hauptanwalt von Fritz und Amélie Thyssen) und von denen jetzt behauptet wird, sie befänden sich im Archiv der neuen Stiftung zur Industriegeschichte Thyssen.

Was aber besonders aus den Fußnoten hervorsticht ist, dass immer und immer wieder wenn es speziell um militärische Rüstung geht, die Akten meist aus dem Archiv der neuen Stiftung zur Industriegeschichte Thyssen stammen sollen, und nicht aus dem der ThyssenKrupp AG, sodass man das Gefühl bekommt, hier könnte eventuell eine Schadensbegrenzung zugunsten des kränkelnden Riesen der deutschen Schwerindustrie im Gange sein.

Auf alle Fälle ist eines der wenigen, bedeutenden Eingeständnisse dieses Buches, dass die Flucht Fritz Thyssens von Deutschland in die Schweiz bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs weniger mit heroischer Auflehnung gegen Hitler, und mehr mit der Tatsache zu tun gehabt haben könnte, dass er massiv gegen Devisenbestimmungen verstoßen und Steuern hinterzogen hatte, von der wir zuerst berichteten (obschon es nichts über weitere Gründe für seine Flucht aussagt, wie zum Beispiel Hitlers erniedrigende Anschuldigung des Eigennutzes).

Während Dr Donges die Verfehlungen Fritz Thyssens in Zahlen festhält, nämlich 31 Millionen Reichsmark in hinterzogenen Steuern plus 17 Millionen RM Reichsfluchtsteuer, also ein Gesamtbetrag von 48 Million RM, der an den deutschen Staat zu zahlen gewesen wären, mildert er die Aussage ab, indem er behauptet, das Entnazifizierungsverfahren von 1948 sei nicht zu dem Schluss gekommen, dass dieser Aspekt eine wichtige Rolle bei Fritz Thyssens Flucht gespielt habe. Dr Donges unterlässt es jedoch, diesen Beweis zu qualifizieren – wie es andere Autoren in dieser Reihe tun – und darauf hinzuweisen, dass die ehrliche Aufarbeitung durch diese Gerichte zum Erliegen kam sobald der Kalte Krieg begann.

Es ist auch bemerkenswert, dass der Autor behauptet die kritische Steuerfahndung in Sachen Fritz Thyssen habe Ende der Zwanziger Jahre begonnen, obwohl diese in Wirklichkeit bereits bald nach dem Ersten Weltkrieg ihren Anfang nahm.

Das Buch bringt es fertig, zu veröffentlichen, dass die zurückgezogen lebende Joseph Thyssen Seite der Familie (vom Bruder des alten August Thyssens abstammend) indirekt von der Verfolgung von Juden profitierte, da das Reich ihnen nach Fritz Thyssens Flucht und der Beschlagnahmung seines Vermögens, den Wert ihrer VSt-Aktien, nämlich 54 Million RM, mit Aktien aus jüdischem Besitz erstattete, die durch die Judenvermögensabgabe an das Reich gekommen waren.

Aber es war Fritz Thyssen, dessen Anti-Semitismus offensichtlich war, während er in prominenter Position 1933/4 daran beteiligt war, die jüdischen Mitglieder Paul Silverberg, Jakob Goldschmidt, Kurt Martin Hirschland, Henry Nathan, Georg Solmssen und Ottmar E Strauss aus dem Aufsichtsrat der VSt zu drängen. Und ganz gleich wie oft man in dieser Serie versuchen wird, uns weiszumachen, dass Fritz Thyssen sich nach 1934 “selbst stufenweise ent-nazifierte” und dass seine Judenfeindlichkeit nicht von der bösartigen, mörderischen Art war, so müssen wir uns daran erinnern, dass die wirtschaftliche Entrechtung der Juden den ersten Schritt auf dem Weg zum Holocaust darstellt.

Als die Simon Hirschland Bank in Essen 1938 “arisiert” und von einem Konsortium übernommen wurde, an dem die Deutsche Bank und die Essener National-Bank AG beteiligt waren, kaufte Fritz Thyssen einen Anteil von 0.5 Millionen RM, aber seine Rolle wird als “fraglich” bezeichnet und gesagt, dass “in der Forschung nur ungenau beantwortet (wird) welche Rolle Thyssen bei der Gründung dieses ‘Arisierungs-Konsortiums’ spielte”. Dies ist eine Methode, mit der Akademiker Zweifel an etablierten Einschätzungen aussähen, vor allem wenn diese für die Thyssens rufschädigend sind und sie von ihnen beim Umschreiben ihrer Geschichte gefördert werden.

Natürlich bleibt die sehr wichtige Finanz- und Bankenseite der Fragestellung genauso unterbelichtet, wie sie es zur Zeit des Geschehens war. Dr Donges erwähnt anonyme Holdings in den Niederlanden, der Schweiz und in den USA; dass das Reich die Rüstungsfinanzierung über die Metallurgische Forschungsanstalt verschleierte; und Faminta AG im schweizerischen Glarus, von dem er behauptet, es sei ein ausländisches Instrument der Thyssen & Co., nicht von Fritz Thyssen persönlich, gewesen. Er nennt nicht die Namen der amerikanischen Anleihegläubiger und sagt aus, dass die Rolle des Finanzministeriums im Dritten Reich noch nicht ausreichend erforscht worden ist.

Und während Dr Donges auf Seite 28 in oberflächlichster Weise informiert, dass nach dem Tod des Patriarchen August Thyssen 1926, Fritz Thyssen seinem Bruder Heinrich “einen Teil” der VSt Aktien abtreten musste (es waren anfänglich nicht weniger als 55 Millionen RM, für die er im Gegenzug Anteile an der Familien-eigenen Bank voor Handel en Scheepvaart in Rotterdam erhielt, die von Heinrich Thyssen-Bornemisza kontrolliert wurde), beschreibt er nirgends, wie lange dieser Anteil wohl im Besitz von Heinrich Thyssen-Bornemisza verblieb und ob er sich noch in seinem Besitz befand, als das Vermögen von Fritz Thyssen 1939/40 konfisziert wurde (und falls ja, was dann damit geschah).

Statt dessen konzentriert sich der Autor auf die “Nutzung von politischen, rechtlichen und gesellschaftlichen Optionen für den wirtschaftlichen Erfolg” in der NS-Zeit. Er veranschaulicht “die unternehmerischen Vorteile des Ausbaus der Rüstungsbetriebe” und stellt fest: “Auch wenn die Handlungsspielräume im Vergleich mit der Weimarer Republik aufgrund zahlreicher Restriktionen eingeschränkt waren, konnte die Konzernleitung (der VSt) weiterhin eine langfristig ausgerichtete Investitionsstrategie verfolgen.”

Und so endet das Buch mit der weltbewegenden Schlussfolgerung: “Betrachtet man die Entwicklungslinien der deutschen Stahlindustrie im 20. Jahrhundert, so bewegten sich die Stahlerzeuger im langfristigen Trend hin zur Weiterverarbeitung. Daher wäre die Vestag (Vereinigte Stahlwerke AG) in den 1930er Jahren wohl auch unter einem anderen politischen Regime diesen Weg gegangen”.

So muss man annehmen, dass dies der Hauptgrund für dieses Werk war: das Image der ThyssenKrupp AG und das Gewissen überlebender Mitglieder der Thyssen-Familie, die von der Rolle der Vereinigten Stahlwerke AG beim Tod von 80 Millionen Menschen als Auswirkung des Zweiten Weltkriegs profitiert haben – und dies noch tun – sauber zu halten.

Es ist nicht ersichtlich, wie Dr Donges mit seiner Doktorarbeit tatsächlich die Forschungslücke zum Thema Vereinigte Stahlwerke in der Nazi-Periode auch nur annähernd “schließen” könnte, wie in der Missionsaussage zur Projektreihe “Familie – Unternehmen – Öffentlichkeit. Thyssen im 20. Jahrhundert” zu lesen steht.

Ob jemand ausserhalb des Zirkels der offensichtlich Thyssen-finanzierten Forscher in Folge dessen aus dem “großen, bedingungslosen Schlummer” erwachen und beschließen wird, eine etwas kritischere Forschung zu betreiben, wird sich zeigen. Akademische Buchrezensionen (z. B. von Tobias Birken bei Sehepunkte, oder Tim Schanetzky bei H-Soz-Kult) lassen bisher nicht viel Hoffnung auf eine wirklich kritische Auseinandersetzung aufkommen. In jedem Falle ist es eine ganz andere Frage, wie abweichende Akademiker empfangen würden, wenn sie an die Tür der “Archive des Professors Rasch” anklopften.

Der Volkswirt (Dr.) Alexander Donges, wie er seinen Titel an der Universität Mannheim als akademischer Thyssen-Söldner verdient

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